Kuba stellt sich der Nahrungsmittelkrise

Kuba stellt sich der Nahrunsmittelkrise
(ND, 28.05.2008)

Landwirtschaft zum Sicherheitsproblem erklärt
(Leo Burghardt, Havanna)

Die weltweite Nahrungsmittelkrise trifft auch Kuba hart. Dort soll nun die Dezentralisierung der Landwirtschaft helfen.

Jean Ziegler, UNO Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, hat den Biotreibstoff bereits als „Wahnwitz“ verdammt, aber auch die „Spekulanten und Finanzbanditen“ seien verrückt geworden und hätten eine „Welt der Unruhe und des Horrors“ geschaffen.
Die Biotreibstoff – Produktion hat weltweit die Preise für Nahrungsmittel vervielfacht. Kuba zahlte 2005 für eine Tonne Mais 82 Dollar, heute 230. Für eine Tonne Reis 250 Dollar, heute1050. Für eine Tonne Weizen 132 Dollar, heute 330, für eine Tonne Milchpulver 2.200 Dollar, heute 4.800.
Mit aller Kraft wird daran gearbeitet, auch dieser Krise standzuhalten. Nicht hektisch, wie das in der Bergangenheit auf anderen Gebieten oft geschah, bis alles bald wieder einschlief. Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion sind zu Problemen der nationalen Sicherheit erklärt worden. Ein Kollegium aus etwa 30 Parlamentsabgeordneten, vom Doktor der Landwirtschaftswissenschaften bis zum alten Ackerbauern und dem Oberst der Streitkräfte – die in der Vergangenheit ein eigenes 100 prozentig rentables Landwirtschaftsimperium zur Selbstversorgung aufgezogen hatten – bildet eine Art Generalstab. Dort laufen die Fäden aus allen 169 Verwaltungsgemeinden zusammen, er soll kontrollieren und korrigieren.
Zwar existiert das Ministerium für Landwirtschaft noch, doch fragen sich eingeweihte, warum dort kaum jemand Alarm geschlagen hatte, da 51 Prozent des kultuvuerbaren Bodens Kubas brachlagen oder nur mittelmäßig oder zweckentfremdet genutzt wurden. Über kleinere und mittlere Funktionäre, die abgesägt werden, bringt die Presse nichts. Es müssen schon große Tiere sein, wie neulich Volksbildungsminister Luis Ignacio Gómez Gutiérrez, die mit einem kräftigen Tritt verabschiedet werden – der fünfte Minister, seit Raúl Castro seinem Bruder nachfolgte.
Es gibt wenige landwirtschaftliche Kulturen, die schnelle Früchte tragen, und wenig Tiere, die schnell groß und produktiv werden. Und es gibt Hurrikans. Die nächste Saison beginnt im Juni. Für alles wird Vorsorge getroffen, vor allem für die Versorgung einiger Landstriche mit Wasser, selbst in Zeiten großer Trockenheit. Doch ehe sich das alles spürbar auszahlt, werden Monate ins Land gehen.

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Autor: Gigs Buchinger

Liedermacher- und Sänger Kulturarbeiter Soli Arbeiter

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