Hasta la vista, Microsoft

Von der Verbesserung der Welt als Kampf gegen schlechte Gewohnheiten: Die Computer an der Universität von Havanna werden aufs Linux-Betriebssystem umgestellt
Patricia Grogg/IPS
Es hat gedauert, bis die Befreiung der Universität von Havanna vom US-amerikanischen Software-Monopolisten Microsoft beschlußfähig war. Inzwischen ist sie nicht mehr aufzuhalten. Mit Zustimmung des Universitätsrates wird das Computernetzwerk der Hochschule Schritt für Schritt umgerüstet. Zunächst werden Professoren und technisches Personal umgeschult. 2009 will die Universität dann auf breiter Front das Open-Source-Betriebssystem GNP/Linux installieren.

»Das Vorhaben ist langfristig angelegt«, erklärte Yudivin Almeida, Professorin für Mathematik und Computerwissenschaft an der Universität der kubanischen Hauptstadt. »Man will Konflikte vermeiden, die Umstellung von Microsoft auf Linux keinesfalls abrupt vornehmen.«

Der heftigste Widerstand gegen die Umstellung kommt von den Computerexperten. Professoren für Computerwissenschaft und PC-Techniker sind an Windows gewöhnt. Sie müssen von Grund auf umlernen. Auch ihre Computerkurse werden sie nicht wie gehabt mit Microsoft Windows bestreiten können, sagt Almeida, die die Arbeitsgruppe für freie Software und Linux-Anwender an der Universität koordiniert. »Wenn Linux auf sämtlichen PCs der Universität läuft, macht es keinen Sinn, noch länger Kenntnisse über andere Betriebssysteme zu vermitteln.«

Die Umstellung vom Microsoft-Browser Internet Explorer auf den kostenlos angebotenen Browser Mozilla Firefox wurde bereits vorgenommen. Jetzt soll das zuständige Universitätspersonal lernen, von der teuren Microsoft-Bürosoftware »Office« auf das konkurrierende System »OpenOffice« umzusteigen, das sich gratis aus dem Internet herunterladen läßt.

Die Universität ist nicht die erste staatliche Einrichtung, an der das frei zugängliche Linux-System installiert wird. Im Mai 2005 hatte die Regierung den Wechsel angekündigt. Eine nationale Arbeitsgruppe empfahl ihn dem Erziehungs-, Justiz-, Innen- und Hochschulministerium sowie den Streitkräften und dem Zoll.

Der staatlichen Informationsbehörde, der Universität für Computerwissenschaften (UCI), dem José-A.-Echeverría-Institut und der Universität von Havanna wurde die technologische Umrüstung ebenfalls nahegelegt. Den Anfang machten die Büros der Zentralverwaltung. Auch bei der Zollbehörde laufen inzwischen alle Computer mit freier Software.

Um dem technologischen Systemwechsel in Kuba auf die Sprünge zu helfen, hat Almeida auf seiner persönlichen Website eine Anordnung des Staatspräsidenten von Ecuador ins Internet gestellt. Rafael Correa weist an, auf den Computern der ecuadorianischen Zentralverwaltung freie Software zu installieren.

Im Juni 2007 hatte die neunte Ibero-Amerikanische Konferenz der für öffentliche Verwaltung und staatliche Reformen zuständigen Minister dem Vorschlag der Ibero-amerikanischen Charta für elektronische Verwaltung zugestimmt, sich um mehr Souveränität und technische Autonomie zu bemühen.

Seinen an Microsoft gewöhnten Kollegen sei der Wechsel zur ihnen weitgehend unbekannten freien Software zu beschwerlich und auch mit dem Hinweis auf größere technologische Autonomie nur schwer schmackhaft zu machen, sagt Almeida. Die Verfechter von Microsoft begründen ihre ablehnende Haltung mit der angeblich schwierigeren Handhabung freier Software.

Der junge Computerwissenschaftler merkt dazu an, daß die allgemeine Verwendung von freier Software Erhebliches zur im kubanischen Bildungsprogramm angestrebten Vergesellschaftung des Wissens beiträgt. Überdies würden die Verweigerer übersehen, welche horrenden Lizenz-Forderungen auf die PC-Nutzer in Kuba zukämen, sobald sich die Beziehungen Washingtons zur sozialistischen Karibikrepublik normalisierten.

Wegen des von den USA seit mehr als vier Jahrzehnten gegenüber Kuba verhängten Handelsembargos laufen die allermeisten der rund 380 000 in Kuba installierten Computer mit Raubkopien des Microsoft-Betriebssystems Windows. Nach Angaben des nationalen Statistikbüros benutzten im vergangenen Jahr 33 Prozent der über sechsjährigen Kubaner einen PC. Die meisten Computer stehen in Postämtern und den Jugend- und Elektronikklubs der Jungen Kommunistischen Liga, die landesweit den Umgang mit den neuen Technologien vermittelt. Über einen eigenen Computer verfügen in Kuba nur etwa 5,2 Prozent der Haushalte.

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2008/07-10/013.php

(c) Junge Welt 2008

http://www.jungewelt.de

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Autor: Gigs Buchinger

Liedermacher- und Sänger Kulturarbeiter Soli Arbeiter

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