Kampagne für einen Mörder

Kubanische Exilgruppen in den USA drängen auf Begnadigung eines Terroristen
Harald Neuber in der Jungen Welt
Wenige Monate vor der US-Präsidentschaftswahl erhöhen rechtsgerichtete Organisationen des kubanischen Exils den Druck auf die regierende Republikanische Partei von Präsident George W. Bush. In einem offenem Brief, der Mitte der Woche in mehreren US-Tageszeitungen veröffentlich wurde, fordern Exilgruppen die Begnadigung des verurteilten Terroristen Eduardo Arocena. Der heute 65jährige gebürtige Kubaner sitzt seit 1983 wegen zahlreicher politischer Morde und Anschläge in Haft.

Die Chancen auf Erfolg stehen nicht schlecht. Die Republikaner sind im Wahlvorfeld mehr denn je auf die politische und finanzielle Unterstützung rechter Exilorganisationen angewiesen. Drei ihrer Kongreßabgeordneten � Ileana Ross-Lehtinen sowie die Brüder Lincoln und Mario Díaz-Balart � sind als Mitglieder der Exilgemeinde direkt von der Gunst der mächtigen Anti-Castro-Lobby in den USA abhängig. Mit einer Petition an Präsident George W. Bush signalisierten sie deswegen schon ihre Unterstützung für die Kampagne. Arocena sei ein »beispielhafter Kubaner und Patriot«, heißt es in dem Schreiben. In einem US-Gefängnis in Indianapolis sitze er nur »aus Liebe für die Freiheit seines Vaterlandes ein«.

In Kuba wird das anders gesehen. Alarmiert von der Kampagne für Arocena widmete das kubanische Fernsehen dem Fall in den vergangenen Tagen mehrere Sondersendungen. In der staatlichen Tageszeitung Granma wies der Journalist Jean-Guy Allard auf die Geschichte Arocenas hin. Als Gründer der paramilitärischen Organisation »Omega-7« habe er persönlich Mordanschläge auf kubanische Diplomaten angeordnet. Selbst die US-Bundespolizei FBI schreibt Omega-7 »etwa 30 Bombenanschläge in New York, New Jersey und Floria in den Jahren 1975 bis 1983 zu«, so Allard. Verurteilt wurde Arocena unter anderem wegen der Ermordung des Kubaners Eulalio Negrín in New Jersey im November 1979. Zur Last gelegt wird ihm auch der Mord an dem kubanischen Diplomaten bei den Vereinten Nationen, Félix García Rodríguez. Der Abgesandte Havannas war im September 1980 in New York auf offener Straße erschossen worden.

In Havanna wird die Kampagne für den verurteilten Mörder auch deshalb aufmerksam verfolgt, weil es nicht das erste Mal wäre, daß ein antikubanischer Aktivist vom US-Präsidenten begnadigt wird. In einer ähnlichen Aktion war der international gesuchte Terrorist Orlando Bosch im Jahr 1990 kurz nach Amtsantritt von dem damaligen US-Staatschef George Bush, dem Vater des amtierenden Präsidenten, von der Haft befreit worden. Mit dem Straferlaß hatte Bush damals die Unterstützung durch die exilkubanischen Organisationen vergolten. Ein ähnlicher Deal könnte auch jetzt wieder ausgehandelt werden. Ein Indiz dafür sieht der Journalist Allard: Mitte 2005 hatte der amtierende Präsident einer anderen paramilitärischen Gruppe mit dem Namen »Alpha 66« für ihre »Hilfe« gedankt.

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2008/08-02/036.php

(c) Junge Welt 2008

http://www.jungewelt.de

Advertisements

Autor: Gigs Buchinger

Liedermacher- und Sänger Kulturarbeiter Soli Arbeiter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s