Die Revolution zum Tanzen bringen

neuesdeutschlandND vom 24.12.2008
Walter Wigand produziert Album für Kuba / Vorstellung in Berlin und bei Radio Rebelde
Der Sieg der kubanischen Revolutionäre unter Fidel Castro und Ernesto Che Guevara jährt sich am 1. Januar zum 50. Mal. Zum Jubiläum bringt der Hamburger Produzent WALTER WIGAND (46), der bereits eine Single mit dem Fidel-Zitat »Patria o muerte« veröffentlicht hat (ND berichtete), nun ein Album heraus. »Havana Woman« wird auf der Silvesterparty im Berliner Tempodrom vorgestellt. ND-Autor RENÉ GRALLA hat Näheres erfahren.

ND: Die Singles »Patria o muerte«, »Volverán«, zwei Jahre später nun das Album »Havana Woman«. Warum hat das so lange gedauert?

WIGAND: Auf der CD sind 17 Titel, die brauchen ihre Zeit. Die meisten Texte habe ich geschrieben, auf Deutsch, die müssen übersetzt werden. Außerdem sollte das Album zum 1. Januar 2009 erscheinen, 50 Jahre nach dem Sieg der kubanischen Revolution und der Flucht des Diktators Batista. Wobei für mich das eigentliche magische Datum der 8. Januar 1959 ist, als Fidel in Havanna einmarschierte, deswegen werde ich am 8. Januar bei Radio Rebelde auf Kuba sitzen und mein Album präsentieren.

 Warum nennen Sie das Album »Havana Woman«?

sentidoDas ist meine Liebeserklärung an Kubas Frauen.

Die Unterzeile fordert »Danzando la Revolución 1959-2009«. Das klingt, als ob Sie als Deutscher daherkommen und den Kubanern das Tanzen beibringen wollen …

… klar, das bestreitet niemand. Trotzdem finde ich, dass bei der kubanischen Revolution das Element Musik, sagen wir mal, stark untergewichtet ist.

Wie bitte? Gibt es nicht jede Menge pathetischer Hymnen wie »Comandante Che Guevara«?!

Geschenkt. Ein »Comandante Che Guevara« täuscht nicht darüber hinweg, dass Fidel der Musik keine revolutionäre Bedeutung beimisst. Er singt nicht, niemand hat ihn jemals tanzen sehen.

Nun Nachhilfe aus Deutschland. Da entdecken wir auch ein »Dam Dam – Viva Drafi!« Sie meinen nicht den vor zwei Jahren verstorbenen »Marmor, Stein und Eisen bricht«-Drafi Deutscher?!

Oh doch!

Was hat Drafi Deutscher selig mit Kubas Revolution zu tun?

Wer ihn kannte, weiß: Drafi ist im Grunde seines Herzens immer Revolutionär gewesen. »Marmor, Stein und Eisen bricht« ist der einzige Gassenhauer, den der deutsche Pop je hervorgebracht hat. Gleichzeitig ist es stürmisches Bekenntnis zu einer Frau. Das habe ich umgeformt in ein Bekenntnis zu Kuba, zum »Caimán«, wie die Kubaner wegen der krokodilartigen Form die Insel nennen.

An Ihrer Produktion hat sich Christian Bruhn beteiligt, dem wir Perlen des Genres wie »Liebeskummer lohnt sich nicht« oder »Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben« verdanken.

Bruhn ist die Schlagerikone der 60er, 70er und 80er Jahre gewesen. Er hat für alle komponiert, die Rang und Namen hatten, von Katja Ebstein bis Mireille Mathieu. Und ihm, der für Drafi Deutscher »Marmor, Stein und Eisen bricht« geschrieben hat, konnte ich die Erlaubnis abringen, besagten Song in eine ganz neue Form zu gießen. Er war derart begeistert von den gesanglichen Fähigkeiten unserer Frontfrau Dayani, dass er ganz neu in die kompositorischen Tasten gegriffen hat. Daraus ist »Havana, Havana – El Culto al la Vida« entstanden. Havanna, das Bekenntnis zum Leben.

Wer eigentlich ist diese Dayani?

Dayani gilt als Pink von Kuba. Wenn Sie einen Taxifahrer nach ihr fragen, leuchten seine Augen.

Wird »Havana Woman« auch in Deutschland veröffentlicht?

Am 1. März 2009. Voraussichtlich im Mai gibt Dayani ein Konzert in Hamburg und tourt anschließend durch ausgewählte Städte.

Spätestens dann werden Sie sich bohrenden Fragen zu Ihrer Begeisterung für Fidel Castro und Kubas Revolution stellen müssen.

In Interviews mit Medien, die kritisch bis feindlich zu Kuba und Fidel stehen, gehe ich hinein wie in ein Gefecht – aber ich gehe! Ich bin Fidelist, und zwar bekennender.

Kubas Dissidenten sehen das vermutlich anders.

Die sind schrecklich unbedarft. In meinen Augen sind sie die 5. Kolonne der Fraktion Miami, das heißt der Exilkubaner, die die Deutungshoheit haben, was die Situation auf Kuba angeht.

Opposition, Pressefreiheit, Demokratie – diese Forderungen wollen Sie einfach wegwischen?

Derartige Begriffe sind, wenn sie auf die Lage in Kuba angewandt werden, wenig mehr als Worthülsen. Zunächst einmal muss die Revolution anerkannt werden! Die Kubaner brauchen Rechtssicherheit hinsichtlich aller Eigentumsfragen, die sich auf Produktionsmittel, Infrastruktur, Ländereien, Fabriken und Hotels beziehen.

Vielleicht ändert sich das ja, wenn Ihr Album die Charts stürmt.

Da zitiere ich Fidel: »Die Revolution zwingt keinen, mit jemand anderem zu tanzen. Aber jeder muss mit der Revolution tanzen.«

Präsentation des Albums »Havana Woman« (Fireball) durch Walter Wigand am 31.12.2008 auf der »Fiesta Cubana« in Berlin, »Tempodrom«, Beginn: 20 Uhr; CD im Handel ab 1.3.2009; www.patria-o-muerte.com

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Autor: Gigs Buchinger

Liedermacher- und Sänger Kulturarbeiter Soli Arbeiter

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