Die Tage des Sieges

jubgewelt090101_250 Jahre kubanische Revolution: Wie die Guerilla Batistas Panzerzug knackte und den Weg nach Havanna freimachte
Von Ernesto Che Guevara
Erschienen in der „Junge Welt“  vom 02.01.2009

Auf den Hügeln von El Cápiro wurde weiter Widerstand geleistet, und dort kämpften wir am 30. (Dezember 1958) während des ganzen Tages, wobei wir gleichzeitig nach und nach verschiedene Punkte der Stadt einnahmen. Schon zu jenem Zeitpunkt waren die Verbindungen zwischen dem Zentrum von Santa Clara und dem Panzerzug abgeschnitten. Als seine Besat­zung sich in den Höhen von El Cápiro umzingelt sah, ver­suchte sie, auf dem Schienenweg zu entkommen, und sie ge­riet mit ihrer ganzen großartigen Ladung auf das Neben­gleis, das wir vorher zerstört hatten, und dort entgleisten die Lokomotive und einige Waggons. jubgewelt090101_3

Darauf entbrannte ein sehr interessanter Kampf, bei dem die Männer mit Molo­tow-Cocktails aus dem Panzerzug herausgeholt wurden, in dem sie großartig geschützt, jedoch nur darauf eingerichtet waren, aus der Entfernung, von bequemen Stellungen aus und gegen einen praktisch wehrlosen Feind zu kämpfen, wie es die Kolonisatoren mit den Indianern des nordamerikani­schen Westens gemacht hatten. Von Männern bestürmt, die aus nahe gelegenen Stellungen und aus direkt danebenste­henden Waggons Flaschen mit brennendem Benzin warfen, wurde der Zug – wegen der Panzerung – zu einem wahren Backofen für die Soldaten. Innerhalb weniger Stunden ergab sich die gesamte Besatzung, und in unsere Hand fielen ihre zweiundzwanzig Waggons, ihre Fliegerabwehrkanonen, ihre Maschinengewehre gleichen Typs, ihre fabelhaften Mengen an Munition. (Fabelhaft waren sie selbstredend wegen unserer geringen Mannschaftsstärke.) (…)

Zu jenem Zeitpunkt mußte sich nur noch die Kaserne »Leoncio Vidal« – die größte Festung des Zentrums der Insel – ergeben. Aber am 1. Januar 1959 gab es bereits Anzeichen wachsender Schwäche unter den Verteidigern. Im Morgen­grauen jenes Tages beauftragten wir die Hauptleute Nunez Jiménez und Rodriguez de la Vega, die Übergabe der Ka­serne zu vereinbaren.Die Nachrichten waren widersprüch­lich und außergewöhnlich: Batista war an jenem Tag geflo­hen, und das Oberkommando der Streitkräfte brach zusam­men. (…)

jubgewelt090101_1Die folgenden Ereignisse sind allgemein bekannt: (Fidel Castros) Befehl, auf die Stadt Havanna zu marschieren; die Übernahme der Füh­rung des Heeres durch Oberst Barquín, nachdem er aus dem Gefängnis auf der Isla de Pinos kam; die Einnahme der Mili­tärstadt »Columbia« durch Camilo Cienfuegos und der Fe­stung »La Cabana« durch unsere Kolonne acht, nach weni­gen Tagen schließlich die Einsetzung Fidel Castros als Mini­sterpräsident der Provisorischen Regierung. All das gehört zur politischen Zeitgeschichte des Landes.

Jetzt nehmen wir eine Stellung ein, in der wir viel mehr als einfache Angehörige einer Nation sind; in diesem Augen­blick verkörpern wir die Hoffnung des unbefreiten Amerikas. Alle Augen – die der großen Unterdrücker und die der Hoffenden – sind auf uns gerichtet. Von unserer Haltung, die wir in Zukunft einnehmen werden, von unserer Fähig­keit, die vielfältigen Probleme zu lösen, hängt sehr weitge­hend die Entwicklung der Volksbewegung in Amerika ab, und jeder Schritt, den wir tun, wird von den allgegenwärti­gen Augen des großen Gläubigers und von den zuversichtli­chen Augen unserer Brüder in Amerika aufmerksam ver­folgt.
Zuerst veröffentlicht in »O Cruzeiro«, 16. Juni, 1. Juli und 16. Juli 1959. Auszug aus: Ernesto Che Guevara: »Kubanisches Tagebuch«, Köln 1987

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Autor: Gigs Buchinger

Liedermacher- und Sänger Kulturarbeiter Soli Arbeiter

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