Nächster »Western« läuft auf Kuba

neuesdeutschlandTransferunternehmen will Geldversendung auf die Insel dominieren

Von Knut Henkel in:
Neues Deutschland vom 25.04.2009

Erste Schritte zu besseren Beziehungen zwischen Kuba und den USA hat Obama getan. Das Geldtransferunternehmen Western Union will schnell die Chance nutzen, sich die Exilkubaner als Kunden zu sichern.

Mit der Lockerung der US-Restriktionen gegen die Insel bieten sich neue Optionen für Exilkubaner: Als Ernesto Hernández Busto das Western Union Büro an Barcelonas Prachtmeile Las Ramblas aufsuchte, staunte er nicht schlecht. Die Angestellten berichteten dem Kubaner brühwarm, dass ab sofort Geldtransfers von Spanien nach Kuba möglich seien. Das sei der Inhalt einer Anweisung von oben, die gerade hereingekommen sei. Diese rasche Reaktion auf die Lockerung der bisherigen US-Sanktionen wird von in Europa lebenden Kubanern freudig begrüßt.

Zu denen gehört nicht nur Busto, ein Schriftsteller und Blogger, dessen Seite viel besucht wird, sondern auch Tania Quintero. Die im Schweizer Exil lebende Journalistin ist ständig auf der Suche nach zuverlässigen Geld- und Paketboten nach Havanna. Zumindest für den ersten Zweck hat sie eine sichere und schnelle Alternative gefunden, denn Western Union will das Kubageschäft systematisch ausbauen. Das war 1999 unter der Regierung Clinton reaktiviert worden. Allerdings nur von den USA aus, wo rund 3000 Büros für den Geldtransfer nach Kuba zur Verfügung stehen. Auf der Karibikinsel sind es hingegen gerade einmal 153 »agent locations«, wie es im Unternehmensslang heißt.

»Die verbinden Familien in den USA mit den geliebten Verwandten in allen kubanischen Provinzen seit 1999 und wir werden unser Netzwerk ausbauen, um unsere Kunden, sowohl in den USA als auch Kuba, in Verbindung mit den jüngsten Entscheidungen besser zu bedienen«, so Stewart Stockdale, Präsident von Western Union in den USA. Mehr Service will Western Union anbieten und damit der Konkurrenz von Money Brookers und Co. einen Schritt voraus sein.

Weltweit ist das US-Unternehmen mit 350 000 Agenten in zweihundert Ländern der Branchenprimus und Exilkubaner wie Tania Quintero zahlen gerne die Gebühren, wenn sie sich sicher sein können, dass ihr sauer erspartes Geld bei den Lieben in Havanna auch ankommt. Erfahrungen mit Geldsendungen, die die Empfänger nicht erreichten, weil die Boten nicht zuverlässig waren oder das Postpaket geöffnet wurde, haben viele Exilkubaner gemacht und deshalb war die Ankündigung von Western Union auf vielen Websites der Kuba-Community zu lesen.

Western Union ist kein Einzelfall, denn vor allem US-amerikanische Tourismus- und Kreuzfahrt-anbieter sondieren derzeit angestrengt den kubanischen Markt. Nach den ersten Lockerungen des Embargos durch die Obama-Administration könnten bald auch die Reisebeschränkungen für US-Touristen aufgehoben werden.

Entsprechende Initiativen kursieren bereits im Repräsentantenhaus und hinter den Kulissen zieht die Reiselobby die Fäden: Kubanischen Angaben zufolge kamen in den vergangenen Jahren bereits durchschnittlich zwischen 50 000 und 80 000 US-Amerikaner auf die Insel. Schon im ersten Jahr nach einer Aufhebung des Reiseverbots könnten nach US-Studien eine Million US-Touristen nach Kuba reisen, dann gilt es entsprechende Angebote zu haben. Auch ein Grund, weshalb die Regierung in Havanna bereits entschieden hat, die Kapazität der internationalen Flughäfen zu erweitern. Da wäre auch Western Union mit seinen Wechselstuben gern dabei, doch das wird vorerst wohl ein amerikanischer Traum bleiben.

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Autor: Gigs Buchinger

Liedermacher- und Sänger Kulturarbeiter Soli Arbeiter

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