Opposition aus dem Luxus-Hotel

redglobe1Redglobe vom Sonntag, 10. Mai 2009
So gemütlich kann Konterrevolution sein

Die kubanische Bloggerin Yoani Sánchez gilt der internationalen bürgerlichen Presse als eine der wichtigsten »unzensierten« Stimmen aus Kuba. Zeitungen und Zeitschriften aus aller Welt übernehmen ihre Nachrichten, die sie angeblich nur unter großen Schwierigkeiten und unter ständigen Angriffen der kubanischen Behörden veröffentlichen kann. So heist es in einm auf den 10. Mai datierten Eintrag: »Gestern, am Samstag, 9. Mai, ging ich in das Hotel Meliá Cohiba um zu überprüfen, ob die Einschränkungen des Internet-Zugangs für Kubaner weiter bestehen«.

oppositionWährend sie behauptet, dass die Einschränkungen noch immer bestehen, hatten zahlreiche Journalisten der internationalen Presse, die in Havanna von der Internationalen Tourismusmesse (Fitcuba 09) berichteten, sie am 6. Mai in aller Seelenruhe im Salon der Empfangshalle des Hotels NH Parque Central von Havanna sitzen gesehen. Die Bloggerin ging über das WiFi-Internet-Netz des Hotels ins WWW, was mit ausländischen Devisen bezahlt werden muss.

Weiter konnten die 180 akkreditierten Journalisten auf ihrem Weg zum Mittagessen sehen, dass die Dame ganz offensichtlich ihre Ruhe hatte und weder von Angehörigen der kubanischen Staatssicherheit noch von kubanischen Bürgern gestört wurde, obwohl sie in ihren Artikeln ständig über genau solche Belästigungen klagt. Mit ihrem Notebook hatte sie in der Lobby des Hotels auch ganz offensichtlich keine Schwierigkeiten, ins Internet zu gelangen, obwohl sie auf ihrer Seite regelmäßig behauptet, dass sie ihren Blog wegen der Schwierigkeiten nicht selbst füttern könne, sondern »Freunde« ihre Manuskripte übertragen (siehe oben).

Wie mehrere lateinamerikanische Medien berichten, reagierten zahlreiche Journalisten auf die Entdeckung mit Überraschung und Enttäuschung. Besonders zeigten sich die Vertreter von Zeitungen betroffen, deren Redaktionen die Bloggerin regelmäßig für ihre Beiträge bezahlen und die sich nun betrogen fühlen. Angesichts des Augenscheins fragten sie, ob auch die übrigen Behauptungen der Dame so zusammenphantasiert sind.

Yoani Sánchez betreibt eine Homepage unter dem Namen »desdecuba.com« (aus Cuba), die aber nicht von der Insel aus betrieben wird. Vielmehr liegt die auf den Namen der Bloggerin mit einer spanischen Adresse registrierte Domain bei dem deutschen Massenhoster Strato. Wie der venezolanische Rundfunksender YVKE Mundial recherchierte, wird die Seite offensichtlich von der ultrarechten deutschen »Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte« (IGFM) finanziert, einer extrem antikommunistischen Vereinigung, die auch regelmäßig Kundgebungen vor kubanischen Vertretungen veranstaltet.

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Autor: Gigs Buchinger

Liedermacher- und Sänger Kulturarbeiter Soli Arbeiter

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