Fidel Castro warnt vor Krieg gegen Iran

in: amerika21.de vom 07.08.2010 22:33

Havanna. Kubas ehemaliger Staats- und Regierungschef Fidel Castro hat in einer überraschenden Rede vor der Nationalversammlung in Havanna vor einem drohenden atomaren Konflikt gewarnt, sollten die USA den Konflikt mit Iran eskalieren. Am heutigen Samstagmorgen war der 83-jährige erstmals seit 2006 in dem Parlament aufgetreten.

Mit eindringlichen Worten warnte Castro, der am kommenden Freitag seinen 84. Geburtstag feiert, vor einem atomaren Schlagabtausch. „Nur ein Mann kann diese Situation lösen, und dieser Mann ist der US-Präsident“, sagte er unter dem Applaus der 610 Abgeordneten. Bereits in seinen sporadisch erscheinenden Kommentaren in den vergangenen Wochen hatte der nach wie vor amtierende Erste Sekretär der regierenden Kommunistischen Partei Kubas vor einer gefährlichen Eskalation im Konflikt zwischen den USA und Iran gewarnt. Unterstützt wurde die Position Castros von Berichten aus den USA, nach denen Angriffspläne gegen Teheran bereits ausgearbeitet wurden. „Ich hoffe, dass der Mann der größten Weisheit und dem kühlsten Kopf den ersten Schritt tut“, sagte er in seiner knapp 90-minütigen Rede. „Was soll dieser Welt wegen des nahenden Endes des US-Imperiums noch wiederfahren“, so Castro, der anfügte: „Kriege diesen  nicht weiter, diese Welt im Frieden zu bewahren.“ (hneu/PL)

die Rede:

Botschaft an die Nationalversammlung, verlesen von Genosse Fidel       |

Vor nur acht Wochen, ganz am Anfang, dachte ich, dass es keine mögliche Lösung zur Bannung der unmittelbaren Kriegsgefahr geben würde. So dramatisch schien die vor mir stehende Szene, dass ich keinen anderen Ausweg als den eines Überlebens sah, des vielleicht möglichen Überlebens in diesem Teil der Hemisphäre, der keinen Grund gab, um Ziel eines direkten Angriffs zu sein, und in einigen anderen isolierten Regionen des Planeten.

Das war sehr schwierig, in dem Bewusstsein, dass der Mensch sich immer an eine Perspektive klammert, wie unwahrscheinlich diese auch sein mag. Trotz alledem habe ich es versucht.

Zum Glück habe ich nicht lange gebraucht zu begreifen, dass es eine Hoffnung gab, und zwar eine sehr tiefgründige. Aber wenn diese Möglichkeit verpasst würde, dann würde das Desaster die schlimmsten Folgen haben. Die Rettung der menschlichen Gattung würde so schließlich unmöglich werden.

Ich bin mir jedoch sicher, dass dem nicht so sein wird und dass im Gegenteil in diesen Augenblicken die Voraussetzungen für eine Situation geschaffen werden, von der man bis vor sehr kurzer Zeit nicht einmal träumen konnte.

Ein Mensch wird die Entscheidung ohne Hilfe treffen müssen: der Präsident der Vereinigten Staaten. Mit Sicherheit ist es ihm aufgrund seiner vielfachen Beschäftigungen noch nicht zu Bewusstsein gekommen, aber seine Berater beginnen, das zu begreifen. Das kann man an so einfachen Schritten erkennen, wie der Einstellung der Folter von Gerardo, ein Ereignis, dass es in 12 Jahren des unerbittlichen Hasses des Systems gegen Kuba und gegen ihn nie gegeben hat. Heute könnte vorausgesagt werden, dass der nächste Schritt in der Besuchsgenehmigung für Adriana bestehen wird, oder in seiner unmittelbaren Freilassung, oder beides. Von ihr habe ich erfahren, dass sein Gemütszustand der beste in den 12 Jahren der ungerechten und grausamen Haft ist.

Da der Iran keinen Zollbreit nachgeben wird gegenüber den Forderungen der Vereinigten Staaten und von Israel, die schon mehrere der Mittel für die Kriegsführung mobilisiert haben, über die sie verfügen, müssten diese den Angriff sofort starten, sobald die vom Sicherheitsrat am 9. Juni 2010 vereinbarte Frist abgelaufen ist, wobei die festgelegten Richtlinien und Voraussetzungen aufgezeigt wurden.

Alles, was der Mensch beabsichtigt, hat eine Grenze, die er nicht überschreiten kann.

In diesem kritischen Fall ist es Präsident Barack Obama, der den Befehl zu dem so viel angekündigten und öffentlich ausgerufenen Angriff geben müsste, indem er den Richtlinien des riesigen Imperiums folgt.

Aber im selben Augenblick, in dem er den Befehl erteilen würde, der außerdem der einzige sein würde, den er aufgrund der in einem absurden Wettbewerb zwischen den Mächten angesammelten Macht, Geschwindigkeit und unzähligen Menge an vorhandenen atomaren Sprengköpfen geben könnte, dann würde er nicht nur den sofortigen Tod von hunderten von Millionen Menschen anordnen, darunter eine unschätzbare Anzahl von Einwohnern seines eigenen Vaterlandes, sondern ebenfalls der Besatzungen aller Schiffe der US-Flotte auf den Meeren rund um den Iran. Gleichzeitig würde der Krieg im Nahen und Fernen Osten und in ganz Eurasien ausbrechen.

Der Zufall wollte es, dass der Präsident der Vereinigten Staaten genau in diesem Augenblick ein Nachkomme von Afrikanern und Weißen, von Muslims und Christen ist. ER WIRD IHN NICHT GEBEN!!!, wenn erreicht wird, dass ihm dies bewusst wird. Das ist es, was wir hier tun.

Die führenden Persönlichkeiten der mächtigsten Länder der Welt, Verbündete oder Feinde, mit Ausnahme von Israel, werden ihn eindringlich bitten, dass er ihn nicht gibt.

Die Welt wird ihm dann alle Ehren erweisen, die ihm zukommen.

Die jetzige auf dem Planeten geltende Ordnung wird nicht fortdauern können und wird unvermeidbar sofort zusammenstürzen.

Die so genannten konvertierbaren Währungen werden ihren Wert als Instrument jenes Systems verlieren, das den Völkern einen grenzenlosen Beitrag an Reichtümern, Schweiß und Opfern auferlegt hat.

Neue Formen der Verteilung der Güter und Dienstleistungen, der Bildung und Erziehung und der Leitung der sozialen Prozesse werden auf friedliche Art und Weise entstehen, aber wenn der Krieg ausbrechen würde, dann würde die geltende Gesellschaftsordnung abrupt verschwinden und das würde unendlich mehr kosten.

Die Bevölkerung des Planeten kann reguliert werden; die nicht erneuerbaren Ressourcen können bewahrt werden; der Klimawechsel kann verhindert werden; die nützliche Arbeit aller Menschen kann abgesichert werden; die Kranken können behandelt werden, die wichtigsten Kenntnisse, die Kultur und die Wissenschaft können im Dienste des Menschen abgesichert werden.  Die Kinder, die Teenager und die Jugendlichen der Welt werden nicht in jenem atomaren Holocaust umkommen.

Das ist es, was ich euch übermitteln wollte, liebe Genossen, Mitglieder unserer Nationalversammlung.

Ich stehe euch jetzt zur Verfügung, um Rechenschaft über das Gesagte abzulegen, die Fragen zu beantworten, die ihr mir stellen möchtet und eure Meinungen zu hören.

Vielen Dank! (Beifall)

Quelle: cuba.cu / RedGlobe

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Autor: Gigs Buchinger

Liedermacher- und Sänger Kulturarbeiter Soli Arbeiter

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