Die ARD und Kuba – ein Lehrstück

Ein interesdsanter Mailverkehr zwischen einem ARD Berichterstatter und 2 aufmerksamen Kuba Freunden in der BRD ist auch für Österreich – und die Berichterstattung im ORF interessant: Vielen Dank den beiden engagierten Kuba FreundInnen in der BRD. (in Chronologie von unten nach oben zu lesen)
Sehr geehrter Herr Schaaf,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort vom 22. August auf unsere E-Mail vom 16. Juli bezüglich der Tagesschau vom 13.07. Wir sind Ihnen, sehr geehrter Herr Schaaf, vor allen Dingen dankbar, weil Sie auf unsere Einwände – nach Jahren geschieht uns das zum ersten Mal – überhaupt eingehen. Natürlich wollten wir Ihnen persönlich keine Unredlichkeit unterstellen, und wir glauben Ihnen, dass es für ARD-Korrespondenten nicht nur in Nordkorea schwer ist, Einreisevisa zu bekommen, sondern auch in Kuba. Warum das in Nordkorea so ist, können wir nur vermuten. Was allerdings Kuba betrifft, so können wir die zunehmende Abwehrreaktion der kubanischen Behörden auf weitere ARD-Berichterstattung über die Verhältnisse des Landes durchaus nachvollziehen. Bitte gestatten Sie uns, Ihnen nur einige Beispiele aus den letzten Jahren dafür zu nennen:

1.: Die Filmdokumentation, „Fidel Castro – der ewige Revolutionär“ von Stephan Lamby und Volker Sierka, erstmals in der ARD gesendet am 26. April 2003, s.: unser Beschwerdebrief: vom 6.06.2003 unter: http://www.miami5.de/informationen/ard-040505.pdf

2.: die Wilfried Huismann – „Dokumentation, Rendezvou mit dem Tod“, erstmals gesendet am 6. Januar 2006 (Es hagelte seinerzeit Proteste, u.a. auch unsererseits. Der Jurist Hans Weiss schreibt dazu in seinem Buch, „Kuba – Nachrichten von der Schurkeninsel“, 2009, auf S. 31 u.a.: „Der heute 56-jährige Journalist vertritt die längst widerlegte, aber gut bezahlte These, John F. Kennedy sei im Auftrag Fidel Castros ermordet worden.“

3.: „Stadt der Ruinen – Dokumentarfilm blickt hinter die Fassaden Havannas“
inwww.3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/tips/102737/index.html Der o.g. Jurist Hans Weiss wandelte nachträglich auf den Spuren der Filmemacher in Havanna und entdeckte, wie sie die kubanischen Behörden über ihre Absichten hinters Licht geführt hatten und die kubanischen Akteure vor Ort manipuliert hatten (s.: „Ruinen“, s. 83 ff. in: Hans Weiss, ebd.), um eben nicht die bereits stattgefundenen Restaurationsarbeiten vor Ort zu zeigen, sondern den angeblich „zunehmenden“ Verfall Havannas.

4.: Feature von Tom Noga „Hasta la victoria siempre! Der Fall der Miami 5“ erstmals gesendet am 16. und 17. Dezember 2007 von WDR 5 unter: http://www.wdr5.de/index.phtml?beitrag=1005528 (Das Manuskript hat PDF-Format und ist urheberrechtlich geschützt)

Unsere enttäuschten Kommentare dazu s.: unter

2. Egänzung zum Kommentar zu dem Feature von Tom Noga, Dok 5 – Das Feature Von Josie Michel-Brüning und Dirk Brüning, 18. Dezember 2007,

Egänzung zum Kommentar zu dem Feature von Tom Noga, Dok 5 – Das Feature Von Josie Michel-Brüning und Dirk Brüning, 18. Dezember 2007

Kommentar zu dem Feature von Tom Noga, Dok 5 – Das Feature Von Josie Michel-Brüning und Dirk Brüning, 17. Dezember 2007

Und schließlich registrieren es nicht nur die kubanischen Behörden mit Missbilligung, wenn der Hungerstreik eines gewöhnlichen Schwerverbrechers wie Orlando Zapata Tamayo, der zum „Dissidenten“ geadelt wurde, als „Menschenrechtsverletzung“ seitens Kubas Schlagzeilen macht, während von den wiederholten Menschenrechtsverletzungen an den „Cuban Five“ seitens US-amerikanischer Behörden systematisch die Aufmerksamkeit entzogen wird.

Zitat aus unserer Antwort vom 18.08. an Herrn Dr. Gniffke:

„[…] Wenn es menschenrechtliche Bedenken wegen der Behandlung der sich in Hausarrest befindenden Oppositionsführerin von Myanmar Aung San Suu Kyi gibt, berichten Sie,

aber Sie berichten nicht, wenn einer der „Cuban Five“, Gerardo Hernández Nordelo, am 21. Juli 2010 zum wiederholten Mal in folterähnliche Isolationshaft (40 Grad Celsius in einer 1x2m großen Zelle ohne Fenster, ohne Belüftung mit schmutziger Bettwäsche) gesteckt wird – und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der er mit seinen Anwälten an seiner Berufung arbeiten können sollte und in der er schon 3 Monate zuvor wegen gesundheitlicher Probleme um ärztliche Betreuung gebeten hatte.

Dieser Justizskandal wurde von Fidel Castro in seiner Rede erwähnt!

Dank des Einsatzes seiner Anwälte, zu denen der durch Fälle wie die „Pentagon Papers“ und „Angela Davis“ bekanntgewordene Leonard Weinglass gehört und Tausender Protestbriefe an das Federal Bureau of Prisons und an das Weiße Haus wurde Gerardo Hernández nach 13 Tagen, am 3. August, in den allgemeinen Vollzug des Zuchthauses in Victorville, Kalifornien, entlassen.

Ist es nicht von „internationaler politischer Bedeutung“,

– wenn Kuba 1999 vor der UNO 3.478 Tote und 2.099 Invalide aufgrund von
Terroranschlägen, die von US-Boden ausgingen und von paramilitärischen exilkubanischen Gruppen ausgeführt wurden, beklagt?

– wenn die UN-Arbeitsgruppe für Willkürliche Inhaftierungen der Menschenrechtskommission in Genf schon im Mai 2005 veröffentlichte und auch damit an die Presse ging, dass die Inhaftierung der fünf Kubaner nach ihren Ermittlungen „willkürlich“ sei?

Ist es nicht von „internationaler politischer Bedeutung“, wenn Mitunterzeichner des Völkerrechtes nach ihrem jeweiligen Gutdünken dagegen verstoßen?

Um sich einen Überblick über den langen Instanzenweg der Fünf und die an ihnen begangenen Menschenrechtsverletzungen, aber auch über Teilerfolge der internationalen Solidaritätsarbeit für die Fünf und deren prominente Unterstützer zu verschaffen, eignet sich am besten die Chronologie der Ereignisse im Fall der Cuban Five [PDF] (Stand: 19. Juli 2010).“

Mit Dank für Ihre Aufmerksamkeit und freundlichen Grüßen

Josie Michel-Brüning und Dirk Brüning Stefan.

Schaaf@swr.de schrieb:
Mexiko-Stadt, den 22. August 2010
Sehr geehrte Frau und Herr Brüning,
als verantwortlichem Autor ist mir Ihre Zuschrift zu unserem TS-Beitrag zu Kuba im Juli 2010 zugeleitet worden.Ich war in meinem Jahresurlaub und komme daher jetzt erst dazu, auf Ihre Kritik zu antworten – bitte entschuldigen Sie die Verzögerung.
Zunächst einmal darf ich mich für Ihr kritische Interesse bedanken- natürlich würde man gerne in einem Tagesschau-Beitrag von anderthalb Minuten Länge auch die von Ihnen angeführten Punkte wie z.Bsp. beispielhafte Bildungs- und Gesundheitspolitik ansprechen – das ist aber schlicht in der Kürze der Zeit nicht möglich. Gerne würden wir generell länger aus und über Kuba berichten, das macht aber die äußerst restriktive Informationspolitik der kubanischen Behörden nicht möglich. Viele Medien, auch darunter die ARD, erhalten kaum Einreise-Visa. Kuba steht zusammen mit Nordkorea ganz unten auf der UN-Liste, was Meinungsfreiheit angeht.
Wir waren das letzte Mal im Noivember 2009 in Kuba, und die leeren Stände haben wir justament in diesem Zeitraum gedreht – so wurde es auch im TS-Beitrag eingeblendet. Wir haben diese Bilder keineswegs aus dem Archiv geholt. Und es sind ja in der Tat auch relativ unverdächtige Personen wie Raul Castro, die offen die Systemmängel im eigenen Land anprangern, daß viele Kubaner zum Beispiel keine Anreize zur Arbeit haben, das die Landwirtschaft fast komplett brachliegt und das daran keineswegs nur die Sanktionen der USA schuld sind. Bezeichnenderweise werden ja viele Lebensmittel mittlerweile aus den USA (!) nach Kuba importiert, das ist nur wenigen bekannt.
Ich kann verstehen, daß Sie, wie so viele andere Menschen in Europa auch, große Sympathien für Kuba hegen, gerade wenn man es mit den Verhältnissen in anderen lateinamerikanischen
Ländern vergleicht – das sollte aber nicht dazu führen, die offensichtlichen Probleme in Kuba, die zu großen Teilen auch hausgemacht sind, anzusprechen. Und die kubanischen Behörden, das muss ich leider so sagen, machen eine offene und objektive Berichterstattung kaum möglich.
Ich darf mich noch einmal für Ihr Interesse bedanken, bleiben Sie der Tagesschau gewogen.
Mit freundlichen Grüßen,
Stefan Schaaf
ARD Mexiko
ARD-aktuell

20.00 Uhr Tagesschau vom 13.07.2010
Autor: Stefan Schaaf,
Beitrag: Freilassung Dissidenten

Josie und/oder Dirk Brüning

An die redaktion@tagesschau.de

Thema Ihre Kuba-Berichterstattung
16.07.2010 16:08 Sehr geehrter Herr Dr. Gniffke, sehr geehrter Herr Hinrichs, sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion, trotz der Sommerhitze raffen wir uns heute dazu auf, unseren Schock anlässlich Ihres Berichts von vor einigen Tagen über die Ankunft freigelassener „Dissidenten“ aus Kuba in Spanien zum Ausdruck zu bringen. Da wir seit 1995 regelmäßig nach Kuba reisen, nachdem wir zuvor andere lateinamerikanische Länder bereist hatten und uns seitdem in die historisch gewachsenen und aktuellen politischen Hintergründe vertiefen, haben wir Vergleichsmöglichkeiten und wissen die kubanischen Errungenschaften auf sozialem Gebiet, in dem Gesundheits- und Erziehungswesen, in dem mit internationalen Preisen ausgestatteten ökologischen Landanbaus, die es trotz Handelsblockade seitens den USA und Terroranschlägen seitens der exilkubanischen Mafia erreicht hat, sehr zu schätzen, ganz zu schweigen von der medizinischen Hilfe, die Kuba in Dritte-Welt-Ländern leistet. Wir haben einen entsprechen Bericht in der Tagesschau vermisst, der die kubanische medizinische Hilfe nach dem Erdbeben in Haiti erwähnt hätte. Wir bitten Sie daher entsprechende Berichte und Statistiken der UNESCO über Kuba zu berücksichtigen. Wir haben übrigens in den letzten Jahren auch keine leeren Gemüsestände mehr in Kuba gesehen, wie sie in Ihrer Filmeinspielung gezeigt wurden, die es in den 1990ern tatsächlich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, seines wichtigsten Handelspartners, gab. Wenn Sie Ihrem Anspruch von objektiver Berichterstattung gerecht werden wollten, dann hätten Sie dem Zuschauer nicht einen Filmschnippsel aus dem Archiv aus der „Spezialperiode“ einspielen dürfen, um ihm „kubanische Mangelwirtschaft“ zu suggerieren. Außerdem vermissen wir in der Berichterstattung der „öffentlich rechtlichen Medien“ die Hinweise, die 2003 zur Verhaftung der jetzt Freigelassenen führten: Es wurden zuvor kubanische Handelsschiffe und Flugzeuge entführt, deren Entführer straflos ausgingen. Der damalige Leiter der Interessenvertretung James Cason hatte seine diplomatischen Befugnisse überschritten, indem er ganz Kuba bereiste, um die mit dem „Regime Unzufriedenen“ um sich zu versammeln, sie bei ihrer subversiven Arbeit mit Geld und Kommunikationsmitteln auszurüsten. (Der jetzt inhaftierte Alan Gros war laut kubanischen Angaben in ähnlicher Mission unterwegs. Die Organisation USAID, für die er arbeitet, war 2002 z.B. maßgeblich am Putsch gegen Hugo Chavez beteiligt.) Welches Land würde sich das gefallen lassen? Wir beobachten, dass die angebliche „Verletzung von Menschenrechten“ seitens Kubas, dazu instrumentalisiert wird, um die öffentliche Meinung für die „Rechtmäßigkeit“ der Handelsblockade und der politischen Ächtung zu gewinnen. Hätten Sie je darüber berichtet, dass nach dem Diktat des US-Marktes ein europäisches Handelsschiff, das Kuba angelaufen hat, innerhalb des nächsten Jahres keinen US-Hafen aufsuchen darf, dass Firmen aus aller Welt, die beispielsweise kubanisches Nickel oder kubanischen Zucker in ihren Produkten verwenden, von den USA boykottiert werden.
dass der Fa. Siemens verboten wurde, Kuba medizinische Geräte auszuliefern, die es schon bezahlt hatte? Tatsächlich wissen wir nach diesem Beitrag über Kuba nicht, was wir von Ihrer Nachrichtenberichterstattung aus aller Welt überhaupt noch für glaubwürdig halten können. —

Mit freundlichen Grüßen Dipl. Päd. Josie Michel-Brüning und Dipl. Ing. Dirk Brüning

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Autor: Gigs Buchinger

Liedermacher- und Sänger Kulturarbeiter Soli Arbeiter

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