Vorstellung des neuen Vorstands:diesmal Stefan Krenn

Stefan2Mein Name ist Stefan Krenn, Jahrgang 1944 und vom Beruf Dreher und Werkzeugmacher. Als Betriebsratsvorsitzender war ich bereits politisch sehr aktiv. Besonders wichtig war und ist mir mein Engagement für die Rechte der ArbeitnehmerInnen, Frieden und Abrüstung, Solidarität, Antiimperialismus und großes Interesse im Bereich Entwicklungsländer. Nach Cuba reiste ich zum ersten Mal Mitter der 80er und bin immer noch fasziniert von der Freundlichkeit, Bewusstheit und Fröhlichkeit der CubanerInnen. Dieses Gefühl verstärkte sich immer mehr, vor allem aber, weil ich im Laufe der Jahre tiefere Einblicke in die Errungenschaften der Revolution erlangte, wie Bildung für alle, kostenloses Gesundheitssystem, der solidarische Umgang der Menschen miteinander, vor allem aber die Solidarität der cubanischen Regierung mit vielen Entwicklungländern und der Unterstützung der antiimperialistischen und revolutionären Bewegungen, speziell in Afrika, Mittel- und Lateinamerika.

Ich erlebte die verschiedenen Stadien der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung Cubas. Zu Zeiten der brüderlichen Hilfe der realsozialistischen Länder befanden sich „die CubanerInnen“ beinahe im Paradies (gemessen am Status während verschiedenen Diktaturen und der US-amerikanischen Herrschaft). Der tiefe Absturz in die „Periode Especial“ und der Wiederaufstieg in „normale“ heutige Verhältnisse. Besonders die Zeiten dieser „Sonderperiode“ festigten mein Verhältnis zu Cuba in besonderem Maß und waren für die folgenden Jahre maßgebend. Mit dem Zusammenbruch des „realsozialistischen Systems“ stürzte die kubanische Wirtschaft beinahe ins Bodenlose. Um rund 80% brach die Wirtschaft ein und prägte die Gesellschaft und das Leben auf der Insel beinahe 20 Jahre. Armut griff rasant um sich, zahlreiche Betriebe wurden geschlossen, durch die extreme Verknappung von Treibstoff brach der öffentliche Verkehr beinahe völlig zusammen, die Stromversorgung tendierte gegen NULL (d.h. dass die Haushalte in den schwierigsten Zeiten maximal 1 Stunde Strom am Tag erhielten), Ersatzteile für die Industrie waren nicht mehr zu bekommen, die tägliche Ration Milch für Kinder und kranke Personen war nicht mehr aufzutreiben, unzählige andere Erschwernisse prägten das gesellschaftliche und private Dasein und zigtausende verließen das Land, viele unter abenteuerlichen Bedingungen.

Bemerkenswert aber ist, dass keine einzige Gesundheitseinrichtung, keine Schule, kein Kindergarten oder Altenbetreuungseinrichtung geschlossen wurde. Die USA, die seit der erfolgreichen Revolution einen gnadenlosen wirtschaftlichen, psychologischen und medialen Krieg gegen Cuba führt, durch Anschläge und einen Invasionsversuch in Cuba (Playa Giron/Schweinebucht) wieder ihre Herrschaft aufrichten wollte, verschärfte die schlimme Lage durch eine allumfassende Wirtschaftsblockade, die bis heute anhält und einen wirtschaftlichen Schaden in der Höhe von etwa 110 Milliarden(!) $ verursachte . Speziell Medikamente und anderes medizinische Material waren nun absolute Mangelware, ebenso Kindernahrung und viele Artikel des täglichen Bedarfs (Seife, Waschmittel, Unterwäsche, Schuhe…..). Ob dieser wirtschaftlichen Katastrophe grenzt es an ein Wunder, daß die sozialistische Ausrichtung erhalten blieb. Ein überzeugendes Beispiel in die eigene Kraft und Vertrauen in die Regierung unter Fidel Castro.

SOLIDARITÄTSKOMITEE

Bereits zu Beginn meiner Cubareisen nahm ich rasch Kontakt auf mit der Gewerkschaft CTC (Central de Trabajadores de Cuba), eine fruchtbare Beziehung, die bis heute aufrecht ist. Gemeinsam mit der Provinzleitung organisierte ich 2-wöchige Exkursionen zu sozialen, betrieblichen und medizinischen Einrichtungen in den Provinzen Holguin und Santiago und begann mit besonders Interessierten KollegInnen Medikamente und anderes medizinische Material zu sammeln, klapperten Krankenhäuser, Ärzte, Apotheker und Babynahnahrungshersteller ab und transportierten im Laufe von einigen Jahren etliche Tonnen dringend benötigter Soligüter nach Holguin, die dann von ICAP (Institut für Völkerfreundschaft) und der Gewerkschaft maßgerecht verteilt wurden. Recht schnell aber wurde klar, dass diese relativ unorganisierten Sammlungen und „Plastiksackerltransporte“ nicht sehr zielführend, vor allem aber unzureichend waren.

Mitte der 90er Jahre organisierte ich eine Studienreise der Linzer Gewerkschaftsschule nach Holguin, die ein voller Erfolg wurde.Die KollegInnen spendeten im Anschluß an diese Reise je 1.000 Schilling, wobei auf eine Schlag 19.000 Schilling zur Ausrüstung des 1. Containers bereitstanden. Wir befüllten ihn mit Krankenhausbetten, Matratzen, Rollstühlen, Medikamenten, Kindergarten-, Schul- und Büromaterial sowie Fahrräder für die Gewerkschaft. ICAP und CTC übernahmen die Güter und zeigten sich hocherfreut über unsere Solidarität. Angespornt durch diesen Erfolg konnte ich im Laufe der der folgenden Jahre ein dichtes Netz von Spendern (Ärzte, Apotheken, Optiker, Spitäler, Bandagisten, Sportvereine,….) aufbauen, das bis heute Bestand hat. Tatkräftig wurde ich von vielen cubabewegten Menschen unterstützt. Der nächste logische Schritt war die Konstituierung des Vereines

BUENA VISTA – SOLIDARITÄT MIT CUBA

zu dessen Vorsitzender ich gewählt wurde (allerdings ein Titel ohne Mittel, außer dass mich die Leute ab nun mit „Herr Präsident“ titulieren durften). Finanziert wird alles ausschließlich über zahlreiche Spenden aus ganz Österreich. Diese Gelder wurden vor allem zur Finanzierung von zahlreichen Großcontainern verwendet, denn der Transport von unserem Lager in Eberschwang (Bezirk Ried/Innkr.) bis zum Hafen Moa (Provinz Holguin) schlägt sich mit rund 5.000€ zu Buche, wobei der Wert des Inhalts ein vielfaches dieser Kosten übersteigt. Zur Stabilisierung der benötigten Mittel gründeten wir den sog. „120er Club“, wobei jede/r die hier mitmachten, monatlich 10€ (ergibt 120€ per Anno) auf ein extra eingerichtetes Konto einzahlen. So konnten wir im Laufe der folgenden Jahre 10 Großcontainer („40 Fuß Solidarität“) nach Holguin senden. Für diese Arbeit wurde unser Verein mit zwei hohen Auszeichnungen von der Stadt- und Provinzverwaltung bedacht. certification

HÖHEPUNKTE

Ganz besonders stolz sind wir (eine handvoll Aktivisten) auf folgende Episoden: Einer der schwersten Hurrikans der letzten 50 Jahre, Katharina, zerstörte große Landstriche der Provinzen Holguin, Santiago, Guantanamo; der Schaden belief sich auf etwa 12 Milliarden (!) $; eine Welle weltweiter Solidarität war die Folge. Das bettelarme Osttimor spendete 1 Mio $ ; während die extrem cubafeindliche Regierung unter Bush jun. sagenhafte 100.000 $ in „Aussicht“ stellte. Verknüpft wurde diese armselige Geste mit der absurden Bedingung, dass vorerst eine Kommission die Schäden „begutachten“ müsste (natürlich kam kein müder Cent von „Uncle Sam“ in die Katastrophengebiete. Jetzt kommt die Geschichte, auf die wir ungeheuer stolz sein können. Der „Miniverein Buena Vista“ schickte innerhalb kürzester Zeit einen Großcontainer im Wert von rund 250.000 Euro nach Holguin, wobei allein die von einer Tiroler Pharmafirma gespendeten Antibiotika cirka 130.000 € repräsentierte. Als uns die Kunde von der Auflassung der chirurgischen Abteilung des Ennser Krankenhauses erreichte, arbeiteten wir 2 ganze Wochen am Abbau einer Großsterilisierungsanlage, dem Abtransport ins Lager und die Verpackung in einen Container für das „Hospital Chirurgico“ in Holguin, dazu kamen noch 40 Betten und etliche andere sonstige Geräte.

Der letzte Coup gelang im Dezember 2012. Das UKH Wien erneuerte die komplette Intensivstation. Über Vermittlung des Primars Prof. Heinz Steltzer konnten wir die gesamte „alte“ Station, samt Akutbetten und elektronischer Überwachung übernehmen und als „Draufgabe“ noch etliche Implantate, die wir nach Havanna schickten; der Gesamtwert der Lieferung kann mit etwa eine halben Million Euro beziffert werden. Außer diesen jährlichen Containertransporten brachten wir im Zuge vieler Studienreisen noch viele individuelle Spenden (Fahrräder, Computer, Brillen, Krücken, Hörgeräte, Schul- und Kindergartenmaterial, Hygieneartikel……..) zu Gewerkschaft und ICAP.

Ein ganz großer Wurf gelang mit der Totalrenovierung des Holguiner Waisenhauses. Rund eine ganze Woche arbeitete eine Freiwilligenbrigade und erneuerten die elektrischen Installationen, Toiletten, Duschräume, Fenster, Türen, Anstriche,…..). Einen namhaften finanziellen Beitrag dafür leistete Kollege Erich Gupfinger, der seine Kollegen bei seinem Ausscheiden aus der AK in die Pension, um Bares statt Abschiedsgeschenken für diese Aufgabe bat. Diese erhebliche Summe bildete die finanzielle Grundlage für dieses Vorhaben. In der Folge erhielten wir vom damaligem Sozialminister Buchinger erstmalig öffentliche Mittel in der Höhe von 19.000 € und konnten dadurch die Renovierung erfolgreich beenden.

ENDE DER PERIODE „ESPECIAL“

Mit der erfreulichen Konsolidierung der cubanischen Wirtschaft wurden die vielen internationalen Solidaritätslieferungen nicht mehr ganz so notwendig und die cubanischen Behörden änderten die Bedingungen für diese Transporte. Wir konzentrieren uns deshalb jetzt auf „Direktfinanzierungen“ bestimmter Projekte. Ausgesucht haben wir vorerst eine Spezialschule für blinde, hör- und sehbehinderte Kinder (Brillen und Hörgerätenehmen wir nach wie vor im Reisegepäck mit), einen Kindergarten für Behinderte und die Erneuerung einer Bewässerungsanlage der gewerkschaftlichen Finca. Das heißt nach Erstellung eines Kostenvoranschlages nehmen wir die erforderlichen Mittel in bar mit und erwerben in Holguin die benötigten Materialien oder Geräte. So kaufen wir z.B. eine Waschmaschine für die oben erwähnte Spezialschule, erwerben für die Bewässerungsanlage eine neue Pumpe, Zuleitungen, neue elektrische Installation,…. Sollte sich diese Art der solidarischen Zusammenarbeit bewähren (und davon gehe ich aus) werden wir in Zukunft weitere Projekte, von denen es noch viele gibt, direkt unterstützen.

FREE THE 5

cinco_heroes1Im Jahr 2001 wurden von einem äußerst voreingenommenem Gericht in Maimi die cubanischen Kundschafter Gerardo Hernandez, Ramon Labanino, Antonio Gerrero und Rene Gonzales zu langjährigen bis lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Viele internationale Proteste blieben erfolglos und so beschloss die cubanische Regierung zu diesem brisantem Thema gemeinsam mit ICAP eine jährliche internationale Konferenz zur Befreiung der 5 Patrioten in Holguin abzuhalten. Ich war von Anfang an dabei und es gelang mir, eine ganze Reihe von cubabwegten Companeras und Companeros zu diesen Konferenzen mitzunehmen. 2012 stellten wir nach Russland sogar die größte europäische Delegation. 2013 wurden Rene und Fernando aus ihrer unrechtmäßigen Haft entlassen und zur freudigen Überraschung kamen am 17. Dezember 2014 im Zuge des Versuchs einer Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und Cuba auch die letzten drei der „los Cincos“ frei. Noch nichts wurde seitens des „Imperiums“ geändert in Fragen der Blockade und Wiedergutmachung der wirtschaftlichen Schäden, die Cuba im Lauf der vielen Jahre erlitten hat und auch die Forderung nach Rückgbe des Militärstützpunkte und Auflassung des Folterlagers Guantanamo ist Gegenstand von Verhandlungen.

PERSPEKIVEN

Inzwischen habe ich eine sehr nette Familie und eine hübsche Wohnung in Holguin und habe vor (wenn alles klappt, so wie wir uns das vorstellen) einen beträchtlichen Teil meiner Zeit in Holguin zu verbringen. Mein bisheriges, und wie ich glaube recht erfolgreiches Engagemant werde ich auf keinen Fall aufgeben. Wir, d.h. unser Verein „Buena Vista“ werden bestimmt noch andere Vorhaben in Angriff nehmen (u.a. soziale Einrichtungen, Kulturprojekte, Straßenfußball,…..) worüber ich ausführlich berichten werdebandera-frotando_03

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Autor: Gigs Buchinger

Liedermacher- und Sänger Kulturarbeiter Soli Arbeiter

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