Jede Generation hat ihre Besonderheit, auch in Kuba

Der erste Höhepunkt der Aktivitäten der Österreichisch-Kubanischen Gesellschaft (ÖKG) in Oberösterreich fand am Mittwoch, den 27. Juli 2016 im Wirtshaus zur Schießhalle in Linz statt. Julita Lazara González Guerra sprach über ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der Revolution und ihren Alltag in Kuba.
Ihre Oma hatte keine Chance auf Schulbildung. Sie und die ganze Familie mussten bei reichen Leuten putzen, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Das ist seit der Kubanischen Revolution ganz anders. Julita hatte die Möglichkeit Transportlogistik zu studieren und arbeitet seit Jahren in der kubanischen Gewerkschaft. Durch die hervorragende und kostenlose medizinische Versorgung, hatte sie sogar die Chance, ein Kind zu bekommen, indem medizinische Behandlungen angewandt wurden. Das wäre alles vor 1959 undenkbar gewesen.
Die KubanerInnen lernen aus der Geschichte. Trotzdem stehen sie im Moment vor neuen Herausforderungen. Die technische Revolution mit Smartphones und Tabletts hat auch in Kuba Einzug gehalten. Jugendliche laufen Gefahr zur Konsumgesellschaft zu verkommen. Julita sieht das pragmatisch: Jede neue Generation hat ihre Besonderheiten, die die andere Generation nicht versteht. Jetzt sind es halt Smartphones und die Sozialen Medien. Kuba bietet öffentliche Internethotspots in Parks und Clubs an, die die Jugendlichen nutzen können. Zeitgleich versucht man mit politischer Bildung und multidisziplinären Ansätzen in der Sozialarbeit, Jugendliche zur Bildung und damit zu einer gesicherten und gefestigten Zukunft zu bewegen. Die neue Generation hat die Revolution und die Zeit davor nicht erlebt. Für sie ist es ein Moment in der Geschichte. Daher ist es wichtig, dass die ältere Generation ihre Erfahrungen und Wissen mit ihnen teilt.
Die vielen Staatsbesuche der letzten Zeit und Events wie das Rolling Stones Konzert in Havanna sind gerade für junge Menschen von Bedeutung. Doch mehr noch als für die KubanerInnen setzen die Exil-KubanerInnen in den USA Hoffnung in eine Öffnung. Julita sagt dazu: Wir KubanerInnen, sehen diese Entwicklungen etwas kritischer und prüfen genau, was geheuchelt oder gelogen ist. Es wird keine vollständigen diplomatischen Beziehungen mit den USA geben, solange sie die Bucht von Guantanamo in Besitz haben und dort ihre Militärbasis und das Gefängnis aufrecht erhalten.
Kuba ist derzeit gestärkter und gefestigter als jemals zuvor, erklärte Julita in ihrem Vortrag. Schulbildung und medizinische Versorgung funktionieren gut. Durch die Erfahrungen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, änderte sich der Fokus hin zur Kooperation mit vielen Ländern. Kuba hat Partnerländer in Lateinamerika, Afrika und Europa. Selbst, wenn sich die politische Lage in einem dieser Länder ändert, kann Kuba jetzt auf starke Partnerschaften weltweit bauen. Trotzdem ist die Lage in Lateinamerika, und der zu beobachtende Rechtsruck, besorgniserregend, da dies auch auf die Beziehungen Kubas zu diesen Ländern Auswirkungen haben wird.
Kuba steht vor vielen Herausforderungen und der 7. Parteitag der kubanischen kommunistischen Partei hat bereits in vieler Hinsicht darauf reagiert. Die UJC, die kubanische Jugendorganisation bringt immer wieder Anträge im Sinne der Jugend ein, die auch berücksichtigt werden. Es bilden sich aber auch andere Assoziationen, die neue Sichtweisen und Einflüsse bringen. Niemand kann die Zukunft voraussagen, sagte Julita abschließend, aber sie sei zuversichtlich, dass Kuba den richtigen Weg wählt und die KubanerInnen im Sinne einer sozialistischen Politik, die Herausforderungen gemeinsam meistern.
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