Viva la revolución

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Von André Scheer in:
Junge Welt vom 31.12.2008

Die Tage um Neujahr stehen auf Kuba im Zeichen des runden Revolutionsjubiläums. Vor genau 50 Jahren, in der Nacht zum 1. Januar 1959, hatte sich der von den USA ausgehaltene Diktator Fulgencio Batista in Richtung Festland abgesetzt. Am Neujahrstag selbst feierten »die Bärtigen«, wie die von Fidel Castro geführte Guerilla auch genannt wurde, ihren Sieg – und mit ihnen bereits damals Millionen Kubaner. 50 Jahre danach wird dieses Ereignis erneut gefeiert – unter anderem mit einem zentralen Festakt am 1. Januar in Santiago de Cuba.

Santiago, die zweitgrößte Stadt der Insel, war Schauplatz einiger der wichtigsten Ereignisse der kubanischen Geschichte. Hier begann am 26. Juli 1953 mit dem von Fidel Castro geleiteten Sturm auf die Moncada-Kaserne der bewaffnete Kampf gegen die Batista-Diktatur. Hier verkündete Fidel am 1. Januar 1959 den Sieg der Revolution. »Endlich sind wir in Santiago! Der Weg war hart und lang, aber wir sind angekommen!« waren seine ersten Worte, die er vom Balkon des Rathauses von Santiago aus der versammelten Menge zurief. »Die Revolu­tion beginnt jetzt. Die Revolution wird keine einfache Aufgabe, sie wird hart und voller Gefahren sein, vor allem in dieser Anfangsphase, und welcher Ort wäre besser geeignet, um die Regierung der Republik zu etablieren, als diese Festung der Revolution.« Deshalb sei Santiago de Cuba »die provisorische Hauptstadt der Republik«, verkündete Fidel.

Derselbe Balkon wird nun, 50 Jahre danach, Schauplatz der offiziellen Festveranstaltung zum Jahrestag sein. Wie die kubanische Gewerkschaftszeitung Trabajadores berichtet, werden zu diesem Festakt 3000 Gäste erwartet, die die verschiedenen Teile der Bevölkerung repräsentieren sollen. Zunächst sollen Vertreter der Pionierorganisation, der Jugend, der Arbeiter und der Revolutionären Streitkräfte zu den Versammelten sprechen, bevor die »zentralen Reden« beginnen. Weder Trabajadores noch andere kubanische Medien informierten bislang jedoch darüber, wer die zentralen Redner sein werden. Klar ist, daß die – vor allem infolge der schweren Hurrikan-Katastrophen des Sommers – angespannte wirtschaftliche Lage die Staatsführung veranlaßt hat, auch mit den Geldern zur Finanzierung der Jubiläumsfestivitäten sparsam umzugehen.

Trotzdem: »Ein halbes Jahrhundert Errungenschaften sind ein Grund mehr zum Feiern«, schreibt die Gewerkschaftszeitung mit Blick auf mehr als ein Dutzend Konzerte unter freiem Himmel, mit denen die Hauptstadt Havanna das neue Jahr und den Jahrestag der Revolution begrüßen wird. Bis zu 45000 Teilnehmer werden allein auf der Plaza Marianao erwartet. Auf der »Antiimperialistischen Tribüne José Martí« gegenüber der US-Interessenvertretung am Ende des Malecón wird die populäre Salsa-Band »Los Van Van« aufspielen.

Auch in zahlreichen anderen Ländern wird mit Feiern, Ausstellungen und offiziellen Zeremonien der Jahrestag des Sieges gewürdigt. Venezuelas Präsident Hugo Chávez kündigte bei einer Veranstaltung am vergangenen Wochenende an, daß er seine offiziellen Aktivitäten im Jahr 2009 mit einer Zeremonie zu Ehren der kubanischen Revolution beginnen werde. Die Abgeordneten der russischen Duma beschlossen eine Erklärung, in der sie die sozialen Errungenschaften hervorheben, die Kuba trotz der jahrzehntelangen Blockade erreichen konnte. Es sei erfreulich, daß im abgelaufenen Jahr die »traditionelle Freundschaft beider Länder« wieder gestärkt werden konnte. In Managua sagte Tomás Borges, der letzte noch lebende Mitbegründer der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN, daß alle politischen Veränderungen in Lateinamerika ihren Ursprung in der Kubanischen Revolution gehabt hätten. »Der venezolanische Präsident Hugo Chávez ist möglich durch Bolívar und Fidel. In Nicaragua wäre die FSLN nicht erklärbar ohne Sandino, aber (ihr wichtigster Gründer) Carlos Fonseca war nur möglich durch Sandino und Fidel«, betonte der frühere nicaraguanische Minister.

Unterdessen wachsen die Spekulationen über eine Änderung der US-amerikanischen Blockadepolitik gegen Kuba. Einer Meldung der Agentur Reuters zufolge soll der künftige US-Präsident Barack Obama bereit sein, die Blockade gegen die Insel an einigen Punkten zu lockern. Im Wahlkampf hatte sich Obama noch für eine Beibehaltung der Sanktionen ausgesprochen, während der kubanische Präsident wiederholt seine Bereitschaft zu einem bilateralen Treffen betonte.

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