Der 1.Mai in Santiago de Cuba

Ein Höhepunkt der diesjährigen Kubareise der ÖKG Oberösterreich war sicher der Besuch der 1.Mai Feierlichkeiten in Santiago de Cuba.
Teilweise schon vor 5 Uhr morgens strömten die ersten zum Platz der Revolution. Wir schliefen etwas länger machten uns dann aber gegen 6 Uhr morgens auch auf. Wir waren von der CTC, dem Gewerkschaftsbund von Kuba eingeladen und durften auf der Ehrentribüne Platz nehmen. Gerne wären wir auch mitgegangen. Wie sich später herausstellte war das doch eine gute Entscheidung denn bis alle versammelt waren und es los gehen konnte war es 7 Uhr. Der Aufmarsch muss so bald beginnen weil es sonst zu heiss wird. Nach eine kurzen Begrüßung marschierten dann die Delegationen der verschiedenen Betriebe der gesamten Gegend vorbei und es sollte bis nach 9 Uhr dauern bis die letzten vorbeimarschiert waren. Wir waren begeistert von der Menschenmenge. Auf Nachfragen hiess es dann dass heuer „nur“ 300.000 Teilnehmer gegeben hat und es normalerweise 400 oder 500 Tausend seien. Ganz wichtig war es auch dass wir eine Österreichfahne mithatten. Die Kubaner freuen sich immer über internationale Gäste die heuer unter anderem von der Schweiz, Österreich, der Westsahara (Polisario) und natürlich den Südamerikanischen Staaten gekommen waren.
Damit bekunden wir die internationale Solidarität mit Kuba und bestärken die Kubaner in ihrem Kampf gegen die Blockade. Nach dem Maiaufmarsch ging es dann ans Feiern bis spät in die Nacht hinein.

Mit Energieeffizienz den Aufschwung schaffen

von Günther Ecker, Wels

Günther Ecker war mit auf unserer Kuba Reise im April/Mai dieses Jahres und hat sich auch unsere Projekte angeschaut, die wir mit PartnerInnen in Kuba durchführen. Dabei hat er einige Überlegungen angestellt im Zusammenhang mit Ressourcenknappheit und Energieeffizienz und präsentiert hier einige Gedanken, die auch für die aktuelle Situation in Kuba ein Anstoss sein könnten:

Als ich als Einzelunternehmer mit Einmannbetrieb in krankheitsbedingte Berufsunfähigkeitspension gehen musste, wollte ich im Leben noch etwas Sinnvolles anfangen. Also gründete ich ein Forschungsinstitut, namens abcde-institute.org (abcde als Abkürzung von „avoid bad carbon dioxide emissions, deutsch „Vermeide(t) schlechte Kohlenstoffdioxid-Emissionen).

Nach und nach fand ich passende Themen, um CO2-Emissionen einsparen zu können. Seit meiner Teilnahme an der Studienreise der (Ober)Österreichisch-Kubanischen Gesellschaft nach Kuba 2017 glaube ich, dass die weitere Umsetzung ganz gut zu Kuba passen könnte:

A) Eine umweltfreundliche Waschmaschine:
In 93 % der 2,3 Millionen Privathaushalte in Österreich (bei 8,3 Millionen Einwohner) steht eine Waschmaschine. Rechnet man mit analogen Haushaltsgrößen und Marktsättigung im geographischen Bereich Europa+USA+Australien+Japan ( mit 1,15 Milliarden Einwohner), kommt man auf die astronomisch hohe Menge von rund 500 Millionen in Gebrauch stehenden Waschmaschinen. Selbst bei einer Marktsättigung von nur 50 % sind es noch immer annähernd 300 Millionen in Gebrauch stehender Waschmaschinen.

Europäische Waschmaschinen waschen „mit liegender Trommel“. Durch Drehung der Trommel wird die Wäsche bewegt und fällt immer wieder in die Waschlauge. Waschmaschinen nach amerikanischem System sind Bottichwaschmaschinen. Die Wäsche liegt in einem stehenden Bottich und wird von einem mittig angebrachten Drehkreuzarm bewegt. Damit sämtliche Wäsche mit Waschlauge in Berührung kommt, muss der Wasserspiegel hoch sein, dazu wird mehr Wasser zum Einweichen und Spülen benötigt. Amerikanische Waschmaschinen nutzen einen Warmwasseranschluss und haben dann keine Heizeinrichtung. Wird so eine Waschmaschine in einem Land ohne Gebäudeheizung oder Warmwasser genutzt, muss für das gleiche Waschergebnis mehr Chemie eingesetzt werden, also schärfere Waschmittel, die die Wäsche früher brüchig machen.

Bezogen auf 5 kg Wäsche benötigen europäische Maschinen 25 bis 50 Liter (Trink)Wasser pro Waschgang, amerikanische Maschinen rund 150 Liter. Bezieht man ein, dass amerikanische Waschmaschinen meist größere Bottiche für 6-10 kg Wäsche haben ist der Wasserbedarf pro Waschgang eigentlich höher. Neben Wasser werden auch noch Enthärtersalze, Waschmittel, Strom zum Aufheizen und für die Bewegung benötigt.

Mein Ziel war eine 5-Liter Waschmaschine. 2 Liter, um anorganische Salze (die der Körper ausschwitzt) zu entfernen, 1 Liter, der nach dem Schleudern als 20% Restfeuchte in 5 kg Wäsche zwangsläufig verbleibt und 2 Liter zum Spülen der Wäsche. Der Knackpunkt dabei ist, dass organische Stoffe (aus Wäscheverunreinigungen und Waschmitteln) laufend aus dem Wasser entfernt werden und am Schluss nur 4 Liter saubere trinkbare Flüssigkeit übrigbleiben. Waschmittel sollten von der Waschmaschine nach Bedarf zudosiert werden, nicht messbecherweise dass der Waschmittelhersteller möglichst viel davon verkaufen kann.

Die Technologie zur kontinuierlichen Wasserreinigung wurde schon erfunden. Damit wurde das Trinkwasser für deutsche U-Boote im 2. Weltkrieg gereinigt. Bloß hat noch niemand so eine Waschmaschine gebaut.

B) Eine umweltfreundliche Geschirrspülmaschine:
Bei herkömmlichen Geschirrspülmaschinen wird Geschirrspülmittel im Überschuss oder Überfluss verwendet. Oft würde ein halber Kaffeelöffel voll Spülpulver genügen, aber die Hersteller empfehlen einen „Tab“, um in jedem Fall (bei übervollen Geräten mit verkrusteten Speisen) das beste Ergebnis zu garantieren und möglichst viel davon zu verkaufen. Üblicherweise sind ein Vorwaschgang, ein Hauptwaschgang und 1-2 Spülgänge. Der Tab wird von Anfang an zugegeben. Nach der Vorwäsche wird das Vorspülwasser abgepumpt. Nun muss im „Pumpensumpf“ (der untere Teil des Pumpengehäuses, der nie leer wird) so viel restliche Spülmittelchemie noch vorhanden sein, dass sie für den folgenden Hauptwaschgang oder die Spülgänge ausreicht. 12-in-1-Tabs enthalten Reinigungstenside, Enzyme, Klarspüler, Wasserenthärter, Glasschutz, Regeneriersalz, Blechmittel, Bleichmittelaktivatoren, Edelstahlglanzmittel, Silberschutz, Geruchsneutralisierer und Schnelltrockner. Der Enthärter muss für alle 3-4 Phasen reichen, Klarspüler und Schnelltrockner wirken erst im letzen Spülgang, werden aber schon von Anfang an gelöst und dreimal abgepumpt. Logisch, dass damit zuviel Chemikalien verschwendet werden und unsere Kläranlagen und Gewässer belasten. Siehe dazu auch den Artikel „Maschinengeschirrspülmittel“ bei Wikipedia, den ich wesentlich mitgestalten konnte.
Ziel wäre eine Geschirrspülmaschine, die je nach Waschgang nur die jeweils benötigten Waschstoffe „im Baukastensystem“ automatisch zudosiert, den Chemikalienverbrauch so minimiert und so wie die Waschmaschine nur sauberes Wasser ausstößt.

C) Umweltfreundlicher Verkehr:
Bereits 1997, lange vor meiner Pensionierung, erdachte ich eine innerstädtische Seilbahn für Wels als Alternative zum maroden Busverkehr. Mir schwebte eine Gondelbahn mit mehr als 20 Haltestellen im Stadtgebiet vor.

Die Technik und die größeren Hersteller waren damals noch nicht reif. Der Boom dazu entstand so richtig erst als Stadtseilbahnen in Médellin (Kolumbien) ab 2004, Caracas (Venezuela) ab 2010 und Rio de Janeiro (Brasilien) 2011 und La Paz (Bolivien) errichtet wurden.

Städtische Seilbahnen sind die einzigen öffentlichen Verkehrsmittel, die eine Alternative zum Fahren mit dem Auto darstellen. „Zur Station gehen, ohne lange Wartezeit sofort einsteigen, pünktlich abfahren und ankommen“ ist die Devise, bei der Autobus und Straßenbahn alt aussehen. Alle 10 Sekunden eine Fahrgelegenheit, bei jedem Wetter, Regen oder Nebel.

Seilbahnen sind Teil der Elektromobilität. Der Antrieb erfolgt zentral in einer Station, der Strom kann von Windkraftwerken geliefert werden, Bremsenergie beim Abwärtstransportieren von Kabinen und Passagieren wird zum Aufwärtstransportieren direkt genutzt. Seilbahnen sind die energieeffizientesten Verkehrsmittel überhaupt. Es gibt keine Abgase in den Straßen und kaum Lärm. Der Betrieb läuft weitgehend vollautomatisiert. Kombinierter Personen/Güterverkehr ist möglich.

Die Nachteile sind: Seilbahnen benötigen gerade Fahrwege (die gitterförmig angelegten Straßen Havannas würden sich daher optimal eignen), Seitenwind darf bei Einseilbahnen maximal 60 km/h sein, bei Zweiseil- und Dreiseilbahnen bis zu 100 km/h. Seitenwind lässt die Kabinen schaukeln und Seile bei den Stützen entgleisen. Also eher weniger geeignet für Hurrikangebiete. Dafür fahren Seilbahnen über Hindernisse hinweg. Autobahnen, Hafenanlagen, Industriegebiete oder Hügel sind kein Hindernis.
Für 500 Millionen Euro könnte man gerade
o 1 km U-Bahn bauen (Transportleistung 120.000 Personen pro Stunde bei 2 Richtungen auf diesem einen Kilometer)
o ein Schachbrettnetz von 2 x 2 km Straßenbahnen (also 5 Strecken im 500m-Abstand parallel zueinander, jeweils Nord-Süd und West-Ost; also 5 x 2 km x 2 = 20 km Straßenbahn samt Remise), um 4 km² damit aufzuschließen
o oder ein 36 km² großes schachbrettähnliches Netzwerk aus Gondelbahnen (also 13 je 6 km lange Strecken im 500m-Abstand parallel zueinander, jeweils Nord-Süd und West-Ost; 4.000 Personen pro Stunde und Richtung je Linie; 13 x 4.000 x 4 Richtungen = 208.000 Personen pro Stunde.

Eine Seilbahn kann um weniger Geld ein größeres Gebiet mit besseren Verkehrsdienstleistungen versorgen als U-Bahn, Straßenbahn und Autobusse (siehe dazu auch meine Website http://www.abcde-institute.org).

Die erste städtische Seilbahn von Medellin hat sich (wegen Verkauf von CO2-Emissionszertifikaten an Industrieländer) binnen 7 Monaten amortisiert!!! Und ist seither eine jährliche Einnahmensquelle ! ! !

Seilbahnen als öffentliche Verkehrsmittel könnten Kuba die Vollmotorisierung mit Autos und den Verkehrsinfarkt der Zukunft ersparen und gleichzeitig Devisen bringen.

Systeme bieten die beiden Weltmarktführer Doppelmayr (Österreich, http://www.doppelmayr.com) und Leitner (Italien, http://www.leitner-ropeways.com) an. Interessant für Cuba wäre auch das „Curvo Ropeway System„ der indischen Firma „Conveyor & Ropeway Systems“ (www.crspl.com).
Günther Ecker, Wels

Fiesta Cubana

„Contra el Bloqueo“, unter diesem Motto diskutierten am 7. April der Botschafter der Republik Kuba, Juan Antonio Fernandez Palazzos und VertreterInnen der Österreichisch-Kubanischen Gesellschaft Oberösterreichs und der Kommunistischen Jugend. Wie kann die Jugend weiterhin für die Revolution begeistert werden und was sind mögliche Konsequenzen der vermeintlichen Öffnung zur USA. Der Botschafter betonte, dass den KubanerInnen sehr wohl klar ist, dass die USA eine Politik von „Zuckerbrot und Peitsche“ anwendet. Nach jahrelanger Peitsche, haben sie nun die Ausrichtung hin zum Zuckerbrot geändert. Aber die wahre Politik gegenüber der roten Insel hat sich deshalb nicht geändert, die Blockade besteht weiterhin. Daher bleiben die KubanerInnen weiterhin skeptisch und fordern das Ende der Wirtschaftsblockade und die Rückgabe von Guantanamo, bevor man von wirklichen diplomatischen Beziehungen sprechen kann. „Wir arbeiten weiter, damit wir auch den 200ten Geburtstag der Revolution feiern können“, sagte der Botschafter abschließend, bevor die Gäste mit karibischen Rhythmen der Gruppe „Varadero“ und Mojitos ihr Freundschaft und Solidarität mit Kuba feierten.

Bericht vom Kuba Stammtisch mit Jessica Müller

Zu Gast diesmal: die neue Vorsitzende der ÖKG in Wien, Jessica Müller.
Mit aus Wien angereist: Hermann Pernerstorfer, stellvertretender Vorsitzender und Chefredakteur der Zeitschrift „Cub Si!“

Jessica berichtete über Ihren Werdegang von Tirol nach Wien und wie Sie über die die internationale Arbeit im Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) zu Kuba und zur Österreich Kubanischen Gesellschaft (ÖKG) gestossen ist.
An Kuba hat sie schon früh fasziniert, dass die sozialen Grundrechte auf Gesundheit und Bildung von der Revolution hoch gehalten werden. Das Land mit seiner Revolutionären Regierung ist nicht fehlerfrei und auch kein Vorbild im Sinne der Nachahmung. Lernen kann man aber auch aus österreichischer Sicht viel von dem Land, für das sich die Menschenrechte nicht auf Pressefreiheit reduziert. Trotz (völkerrechtswidriger) Jahrzehnte dauernder US Blockade, die praktisch alle Lebensbereiche betrifft, hat sich Kuba nicht dem Diktat der jeweiligen US Regierung und der US Konzerne gebeugt sondern seinen eignen Weg weiter beschritten.
Die Solidarität, verkörpert durch die Freundschaftsgesellschaft ÖKG, ist diesem eigenständigen kubanischen Weg verpflichtet. Dies ist das besonders wertvolle, das die ÖKG ausmacht und dessen sich Jessica Müller als Vorsitzende verpflichtet sieht: Die Einforderung des Respektes gegenüber dem souveränen Staat Kuba, der schlicht die Akzeptanz des von der kubanischen Bevölkerung gewählten Weges verlangt. Das muss nicht zwangsläufig die Solidarität mit den Inhalten der kubanischen Revolution beinhalten, aber zumindest deren Respekt und Akzeptanz, wie es eben die völkerrechtlichen Bestimmungen vorsehen.
Als Sozialistin geht Müller aber natürlich über diesen Mindestrespekt hinaus: die Unterstützung auch der Inhalte der Revolution ist für sie persönlich selbstverständlich, ohne mit allen konkreten Punkten immer einverstanden sein zu müssen. Kritik darf aber nicht von oben herab, als Belehrung, geübt werden, denn die Kubanerinnen und Kubaner wissen sehr wohl selber was auf Kuba gut und was schief läuft. Auch das ist das Spannende am Prozess der Aktualisierung der kubanischen Revolution – eine neue Balance zu finden zwischen Effizienz und Gerechtigkeit.

Gemeinsam mit Pernerstorfer legt Müller anschliessend dar, was die Vorhaben der ÖKG für die aktuelle Funktionsperiode sein können. Dazu wird in den nächsten Wochen eine Vorstandsklausur die Eckpunkte erarbeiten, die danach sicherlich im Cuba si nachzulesen sein werden. Soviel sei vorab verraten: Sowohl die Solidaritätsprojekte als auch die politische Arbeit der ÖKG werden auf modernere Beine gestellt werden.

Die ÖKG in Oberösterreich wird sich aktiv und konstruktiv an diesem Prozess beteiligen.

Rede von Cornelia Broos am Silvesterstammtisch

Da meine Rede ein Nachruf auf Commandante Fidel Castro Ruz sein soll, möchte ich heute weniger über das politische System Kubas sprechen, sondern meine persönlichen Eindrücke und meine Verbindung zur Person Fidel.
Warum war und ist Fidel unumstritten in Kuba? Ich habe 2007 sieben Monate in Kuba verbracht und was mir aufgefallen ist: die KubanerInnen sind ähnlich den WienerInnen ständig am kritisieren, nörgeln und sudern. Am liebsten über die Verwaltung, die Politik, was alles nicht funktioniert und natürlich über das Wetter.
Einen aber kritisieren sie selten: Fidel Castro!
Daher habe ich versucht herauszufinden, was Fidel ausgemacht hat und in Gesprächen bekam ich eine Idee davon, was Fidel für die KubanerInnen bedeutet.
Um das zu verstehen muss man sich die Geschichte des Landes ansehen. Kuba vor 1959: seit der Ankunft Christopher Columbus in Kuba war die Insel Kolonie. Die indigene Bevölkerung wurde innerhalb weniger Jahre durch die SpanierInnen ausgerottet. (Kuba war aber auch immer widerständig: Hatuey, Häuptling der Taíno leitete den ersten Widerstand um 1500. Er sei vor seiner Hinrichtung von einem Priester gedrängt worden, sich taufen zu lassen, um in den Himmel zu kommen. Hatuey soll darauf gefragt haben, wohin die Christen nach ihrem Tode kämen. Als daraufhin der Priester erklärte, alle Christen kämen in den Himmel, wenn sie gut waren, soll Hatuey, geantwortet haben, er wolle nicht dorthin, wo die Spanier sind, um mit derart grausamen Menschen nicht zusammen zu sein. Als die indigene Bevölkerung gänzlich vernichtet war, holte man Sklaven vorwiegend aus dem Gebiet des heutigen Kongo als Arbeitskräfte ins Land.
Kolonisation bedeutet ein System der grausamsten und vollständigsten Ausbeutung von Mensch und Natur durch die imperialen Kräfte. Ganz egal, ob es die SpanierInnen, die FranzosInnenen oder die us-AmerikanerInnen waren. Das Land und die EinwohnerInnen hatten ihre einzige Existenzberechtigung für die Herrschenden im absoluten Gehorsam, Unterwerfung und Abgabe aller Ressourcen. Eigene Kultur, Sprache, Traditionen standen solchen Ausbeutungsmechanismen nur im Weg und wurden gnadenlos unterdrückt und verfolgt.
Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine große Widerstandsbewegung in Kuba gegen die spanischen BesetzerInnen angeführt durch Carlos Manuel de Céspedes. Berühmtester Vertreter dieser Zeit war José Martí, der bis heute als Nationalheld und wichtigster Philosoph in Kuba gefeiert wird. Doch warum? Dies waren zum ersten Mal in der Geschichte spanisch stämmige Menschen, die sich als Kubaner definierten. Sie haben für die Unabhängigkeit des Landes und das Recht der BewohnerInnen auf ihre eigene Kultur, Geschichte und Anspruch auf Mitbestimmung gekämpft. Das war ein Novum in der Geschichte und das macht sie so wichtig für die Geschichte des Landes. Knapp vor dem Sieg der Widerstandsbewegung meldete sich die USA, und als der Sieg eigentlich schon klar war, marschierten die USA als RetterInnen ein und kolonialisierten das Land neu. Wieder nichts mit Eigenständigkeit, Selbstbestimmung und eigener Nation.
Bevor Fidel kam, war das Land 50 Jahre lang das Spielcasino und Bordell der USA. Die Analphabetenquote lag bei über 80% und die Lebenserwartung war extrem niedrig. Wer nicht bis zur totalen Erschöpfung als „formell freie“ Arbeitssklaven auf den Feldern der United Fruit Company arbeitete, musste seinen Körper oder seine Arbeitskraft anderweitig verschenken. Die US AmerikanerInnen schikanierten die KubanerInnen, deren Werte, Traditionen und Kultur in ihren Augen nichts wert waren.
Fidel Castro Ruz, ein gebildeter spanisch stämmiger Kubaner, der sich auch als Kubaner definierte und bereits in seiner Jugend gegen die Kolonialmacht der USA protestierte, startete 1953 mit dem Sturm auf die Moncada-Kaserne eine Bewegung, die nach vielen Fehlschlägen – nach fast 7 Jahren schließlich erfolgreich war. Das wesentliche war: zum ersten Mal siegte das kubanische Volk ohne fremde Hilfe, zum ersten Mal konnten sich die Menschen als Nation definieren, zum ersten Mal war eine Selbstbestimmung über ihr eigenes Land erreicht. Fidel machte es möglich, stolzeR KubanerIn zu sein. Diese Tatsache gibt Fidel Castro bis heute seinen Stellenwert in den Herzen den KubanerInnen – nicht nur seine politischen und sozialen Reformen auf die ich gleich eingehen möchte, sondern in erster Linie die Tatsache, dass er es möglich machte KubanerIn zu sein. Dafür danken ihm die Menschen bis heute, denn die Kollektivtraumatisierung der Kolonisation ist auch bis heute tief in den Köpfen der Menschen und sicher noch lange nicht vergessen.
Und dieser Idee eines selbstbestimmten eigenständigen Kubas ohne Unterdrückung entsprachen auch die ersten Dekrete der revolutionären Zentralkomitees nach dem Sieg der Revolution: In der ersten Agrarreform wurden 10.000 Großgrundbesitzer enteignet – darunter auch große Firmen wie Barcadi oder die United Fruit Company. 150.000 Bauernfamilien erhielten Land. Viehfarmen wurden Staatseigentum, Zuckerplantagen Eigentum von Kooperativen; damit war der Staat im Besitz von 41% der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Aber auch ganz banale Änderungen, wie das Dekret, dass Strände nicht in Privatbesitz sein dürfen und für alle zugänglich zu machen sind, bedeutete für die KubanerInnen das Recht auf ihr Land zu erhalten.
Im Rahmen von Sozialreform wurden noch im ersten Jahr: die Mieten herabgesetzt, Villen beschlagnahmt, Wohnungsprogramme gestartet, die Minimallöhne erhöht, Arbeitsplätzen geschaffen, eine Sozialversicherung und das Gesundheitswesen aufgebaut, sowie demokratische Massenorganisationen geschaffen.
Es war das erste Mal, dass die Menschen Gesundheitsversorgung, Bildung und soziale Absicherung erhielten. Julita Lazara González Guerra, eine Freundin der ÖKG OÖ sprach bei einer unseren Veranstaltungen diesen Sommer über ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der Revolution und ihren Alltag in Kuba. Ihre Oma hatte keine Chance auf Schulbildung. Sie und die ganze Familie mussten bei reichen Leuten putzen, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Das ist seit der Kubanischen Revolution ganz anders. Julita hatte die Möglichkeit als erste in der Familie Transportlogistik zu studieren und arbeitet seit Jahren in der kubanischen Gewerkschaft. Durch die hervorragende und kostenlose medizinische Versorgung, hatte sie sogar die Chance, ein Kind zu bekommen, indem medizinische Behandlungen angewandt wurden. Das wäre alles vor 1959 undenkbar gewesen.
Was hat Fidel Castro also erreicht in seiner Amtszeit als Präsident:
9 jährige Schulpflicht für alle,
Alphabetisierungsrate von 97%,
Säuglingssterblichkeitsrate bei 4,8% (Österreich: 4,2%, USA: 5,9%),
Lebenserwartung: 78 Jahre (Haiti: 62,8 J, Österreich: 80 J, USA: 78,6 J)
flächendeckende gratis medizinische Versorgung
Wohnbau, Lebensmittel, Strom- und Wasserversorgung
Die kubanischen Standards sind heute in vielen Punkten vergleichbar mit Westeuropa und das für ein „Entwicklungsland“.
Aber mehr noch als strukturelle Verbesserungen hat Fidel Castro eine völlig neue Moralvorstellung eingeführt, die Kuba in Lateinamerika und der ganzen Welt einzigartig macht. Er hat versucht seine Ideale der Menschheit in Kuba zu verwirklichen und diese basieren auf Gleichheit, Gerechtigkeit, Internationalismus und Solidarität.
Gleichheit im Sinne der formellen Gleichstellung aller Menschen in Kuba! Ohne strukturelle Diskriminierung! Alle haben das Recht auf Bildung, Gesundheit, Wohnraum, Arbeit, Essen und Selbstbestimmung.
Gerechtigkeit im Sinne eines gerechten Lohnsystems, einer staatlichen Regulierung, die Werte gerecht verteilt, eines demokratischen Systems, dass allen die Möglichkeit gibt ihre VertreterInnen direkt zu wählen und mitzubestimmen und einer unabhängigen Rechtsprechung und Gefängnissen ohne Folter.
Internationalismus im Sinne einer solidarischen und humanistischen Gemeinschaft, die auf den gleichen Werten beruht. ALBA ist ein erfolgreiches Beispiel in Lateinamerika, wie internationale Zusammenarbeit abseits von Profitinteressen und kapitalistische Machtansprüche, aussehen kann.
Solidarität im Sinne von Unterstützung von jenen die es benötigen. Wer schon mal in Kuba eine Autopanne hatte weiß, wovon ich rede. Das im Kleinen agiert Kuba auch im Großen solidarisch, sei es Katstrophenhilfe nach Hurricans, mit Ärzten auf der ganzen Welt, durch gratis Universitätsbildung in Kuba für Menschen aus Entwicklungsländern, etc.
Kuba hat Menschenrechte und Werte neu definiert. Fidel ging es um das Recht auf Gleichbehandlung, Bildung und Gesundheit – also um ein menschenwürdiges Dasein und einer Absicherung und damit auf die Freiheit nach seinen Interessen, Fähigkeiten und Bedürfnissen zu leben. Wenn jetzt Menschen schreien, dass es Menschenrechtsverletzungen in Kuba gibt, dann verlange ich, dass wir von unserer eurozentristischen, westlich und kapitalistisch dominierten Sichtweise von Menschenrechte und Demokratie abgehen. Es gibt andere Konzepte und andere Zugänge – und Kuba hat andere Prioritäten gewählt. Das dies von VertreterInnen des kapitalistischen Systems kritisiert wird ist logisch, bringt es doch ihr Wertesystem in Gefahr, denn wenn die Menschen sehen, dass ein anderes Zusammenleben möglich und erfolgreich ist, könnten sie ja auf die Idee kommen, dies auch in ihren eigenen Ländern ein zu verlangen.
Fidel ist nicht nur für mich untrennbar vereint mit der kubanischen Identität, den neuen Werten und Grundsätzen, mit einer Nationenbildung und einem solidarischen, gerechten Staat mit starken Grundsätzen. Dafür steht dieser Name und das bedeutet Fidel für mich.
Was können wir von nun Fidel lernen…
Kuba befindet sich noch immer im Aufbau – noch immer in der Revolution. Und als eines der letzten Beispiele für den Versuch sozialistische Grundsätze und Ideen zu verwirklichen. Fidel sagte einmal, dass wir nie aufhören dürfen an unseren Idealen zu arbeiten und dafür zu kämpfen und in diesem Sinne möchte ich auch meine Rede mit einem Bezug ins heute beenden.
Wir haben heute nach wie vor Menschen, die nicht selbstbestimmt leben dürfen. Wir brauchen nicht weit gehen, um die Unterdrückung der KurdInnen und Kurden zu sehen. Hier gilt es im Sinne der internationalen Solidarität darum, diese Menschen dabei zu unterstützen, dass auch sie einmal sagen können – genauso wie es die KubanerInnen können – ich bin Kurdin, dies ist mein Land, ich kann mein Schicksal selbst bestimmen und ich bin stolz darauf. Und die KurdInnen können vom Beispiel Kubas, wie wir alle etwas mitnehmen. Die Fehler, die gemacht worden sind, nicht zu wiederholen und von den positiven Errungenschaften, die Teile übernehmen, die auf ihre Situation passen. Wie eine Gesellschaft, die auf der Basis von Gerechtigkeit, Solidarität, Internationalismus aussehen könnte, wie Werte und Ideale in einer Weise definiert werden können, die nicht von Profitinteressen und Ausbeutung geleitet werden. In Kuba war nicht alles perfekt, die kubanische Regierung und Fidel haben Fehler gemacht – natürlich denn sie sind auch nur Menschen… aber sie haben uns vorgelebt, dass es Wert ist für die Ideale und Träume zu kämpfen und das es möglich ist zu gewinnen. Gemeinsam in internationaler Solidarität können wir diesen Kampf überall auf der Welt gewinnen.
Ich möchte abschließen mit zwei Zitaten vom Commandante en Jefe, Fidel Castro Ruz: „Ich glaube weiterhin fest daran, dass eine bessere Welt möglich ist.“ „Die Ideen, für die ich das ganze Leben gekämpft habe, können nicht sterben und werden lange leben.“
Viva Cuba! Viva Fidel! Hasta la victoria siempre! Venceremos!

#Hasta Siempre, Comandante!

Fernsehrede Raul Castros an das kubanische Volk:

Liebes Volk Kubas,

Mit tiefem Schmerz trete ich hier auf, um unserem Volk und den Freunde aus Amerika und der ganzen Welt mitzuteilen, dass heute den 25. November um 22:29 Uhr unser Comandante en Jefe der Kubanischen Revolution Fidel Castro Ruz gestorben ist. Nach dem ausdrücklichen Willen des Genossen Fidel werden seine sterblichen Überreste verbrannt. In den ersten Stunden des Sonnabends 26. wird der Organisationsausschuss der Beerdigung unserem Volk eine detaillierte Information über die posthume Ehrung für den Gründer der Kubanischen Revolution geben. ¡Hasta la victoria siempre!

Lic. Marieta García Jordán
Consejera/Botschafträtin
Embajada de Cuba en Viena/Botschaft der Republik Kuba
Kaiserstrasse 84/1/1, 1070 Viena.
Tel. 0043 069918778196
http://cubadiplomatica.cu/austria

Neue und aktualisierte Dossiers der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba

Bildung in Kuba:
Beiträge zur Bildungspolitik, Universitäten, Studium, Weiterbildung und Pädagogik.
mehr: http://www.fgbrdkuba.de/infos/bildung.php

EU – Kuba:
Presseerklärung der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba zur Abschaffung des „Gemeinsamenstandpunktes“ der EU, EU billigt Kooperationsabkommen mit Kuba.
mehr: http://www.fgbrdkuba.de/infos/bildung.php

Blockade gegen Kuba:
Bericht 2016 der kubanischen Regierung zu den Folgen der US-Blockade .
mehr: http://www.fgbrdkuba.de/infos/blockade-gegen-kuba.php

Presse:
Aktuelle Nachrichten aus und über Kuba:
Kuba und China unterzeichnen Kooperationsabkommen + Protest gegen als Jugendaustausch geplanten Regme-Change + Unekanntes Tagebuch Humboldts + Wilfredo Lam in Lodon + Keine Reisefreiheit für US-Amerikaner nach Kuba …
mehr: http://www.fgbrdkuba.de/presse/index.php

weitere Veranstaltungen und Termine:
mehr
: http://www.fgbrdkuba.de/termine/kalender.php

Homepage der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba:
http://www.fgbrdkuba.de/

Ich bin Kuba (Soy Cuba) heute So, 18.09. in ARTE TV von 22:35 – 00:50

von Michail Kalatosov, mit Sergio Corrieri und Salvador Wood
Der 1964 in Kuba gedrehte Film Soy Cuba war eine sowjetisch-kubanische Koproduktion mit Micheil Kalatosow als Regisseur, die kubanischen Filmschauspieler und Mitarbeiter des Films begründeten später einen eigenständigen kubanischen Filmstil. Regisseure wie Tomás Gutiérrez Alea (Der Tod eines Bürokraten – Muerte de un Burócrata, 1964) und Humberto Solás (Lucia, 1968) führten nicht nur unter Cineasten zu einer internationalen Anerkennung des kubanischen Films.