Fidel Castro: Auf wessen Kosten spielt man die Rolle des Guten?

Als die US-Regierung nach dem Hurrikan Gustav scheinheilig 100.000 Dollar als Katastrophenhilfe anbot – nach vorheriger Inspektion ihrerseits vor Ort zum Nachweis der Schäden – wurde ihr geantwortet, dass Kuba keinerlei Spende von dem Land annehmen kann, das gegen uns eine Blockade verhängt hat, und dass die Schäden schon berechnet wurden. Außerdem wurde geantwortet, dass das von uns Geforderte darin besteht, dass der Export von unerlässlichen Materialien und die an die Handelsoperationen gebundenen Kredite nicht verboten werden.

Einige im Norden haben sich heiser geschrien, dass die Zurückweisung von Kuba unglaublich sei.

Als wenige Tage später Ike das Land von der Ostspitze Punta de Maisí bis zur Westspitze Cabo de San Antonio geißelte, waren die Nachbarn des Nordens etwas schlauer. Sie haben die Sprache gemildert. Sie sprachen von abflugbereiten Flugzeugen mit Waren für fünf Millionen Dollar, dass eine Schadenseinschätzung nicht notwendig sei, da man das schon mit eigenen Mitteln getan habe, womit niemand anders als diejenigen gemeint sein können, die unser Land ausspionieren. Dieses Mal würde man die Revolution in Verlegenheit bringen – so dachten sie. Wenn sie es sich trauen würde, das Angebot zurückzuweisen, würde sie bei der Bevölkerung auf Schwierigkeiten stoßen. Vielleicht glaubten sie, dass niemand die vom US-Fernsehen verbreiteten Bilder gesehen hatte, als Besatzungstruppen der UNO Nahrungsmittel an die hungrige Bevölkerung in Haiti verteilten, welche sich über einen Stacheldraht hinweg darum stritt, was sogar zu verletzten Kindern geführt hat.

Der Hunger in jenem Land ist Ergebnis der historischen und unerbarmherzigen Ausplünderung der Völker. Am selben Ort, in Gonaïve, haben unsere Ärzte ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um die Bevölkerung dieser Stadt ärztlich zu betreuen, so wie sie es in fast einhundert Prozent der Verwaltungskreise jener Nation tun. Diese Entwicklungshilfe geht dort, wie in Dutzenden Nationen der Welt, trotz der Hurrikans weiter. Auf die neue und schlaue diplomatische Note wurde ihnen kategorisch geantwortet: „Unser Land kann keine Spende von einer Regierung annehmen, die uns mit einer Blockade belegt, aber es ist bereit, solche unabdinglichen Materialien bei jenen US-Unternehmen zu kaufen, welche diese exportieren, und beantragt die Genehmigung dieser Zulieferungen sowie der für alle Handelsoperationen üblichen Kredite.“

„Wenn die US-Regierung dies nicht für ständig autorisieren möchte, beantragt Kuba zumindest eine Genehmigung für die nächsten sechs Monate, besonders unter Berücksichtigung der von den Hurrikans Gustav und Ike verursachten Schäden und unter Beachtung dessen, dass noch die gefährlichsten Monate der Hurrikan-Saison bevorstehen.”

Dies wurde nicht mit Überheblichkeit getan, denn das ist nicht Kubas Stil. In der Note selbst konnte man sehen, wie mit Bescheidenheit die Idee zum Ausdruck gebracht wurde, dass wir mit der zeitlich begrenzten Aufhebung  der Verbote zufrieden sind.

Der US-Handelsminister Carlos Gutiérrez hat am Freitag, dem 12., ausgeschlossen, dass die Blockade zeitweilig aufgehoben werden könnte.

Es ist offensichtlich, dass die Regierung jenes mächtigen Landes nicht begreifen kann, dass die Würde eines Volkes zu keinem Preis gekauft werden kann. Die Solidaritätswelle für Kuba, die große und kleine Länder umfasst, Länder mit und sogar ohne Ressourcen, würde an jenem Tag verschwinden, an dem Kuba seine Würde aufgibt. Diejenigen, die sich in unserem Land darüber ärgern, irren sich entschieden. Wenn es anstelle der fünf Millionen eine Milliarde wäre, würde dieselbe Antwort erfolgen. Der durch die Blockade und die Aggressionen der Yankees erlittene Schaden an tausenden Menschenleben, an Leiden und über 200 Milliarden Dollar kann mit nichts bezahlt werden.

Im vorläufigen offiziellen Bericht wurde der Bevölkerung erklärt, dass das Land in weniger als zehn Tagen einen fünf Milliarden übersteigenden Schaden erlitten hat. Aber ihr wurde ebenfalls erläutert, dass diese Zahlen auf konventionellen Preisen beruhen, die historisch und bis zu einem gewissen Zeitpunkt gültig waren, und die nichts mit der jetzigen Realität zutun haben. Die ganz klare Erläuterung, dass „die Berechnung der Verluste an Wohnungen auf der Grundlage von  konventionellen Preisen, die historisch und bis zu einem gewissen Zeitpunkt gültig waren, erfolgten und nicht nach den zu internationalen Preisen gültigen realen Werten, darf niemals vergessen werden. Es ist ausreichend darauf hinzuweisen, dass zum Besitz einer dauerhaften Wohnung, die den stärksten Winden trotzen kann, ein Element notwendig ist, an dem Mangelware herrscht: die Arbeitskraft. Dieselbe wird für eine provisorische Ausbesserung genau so benötigt, wie für einen dauerhaften Bau. Die genannte Arbeitskraft muss auf alle anderen Produktionsstätten und Dienstleistungseinrichtungen verteilt werden, von denen viele bedeutende Schäden erlitten haben, weshalb der reale Wert einer Wohnung auf der Welt und die entsprechende Rückzahlung der Investition um etliche Male größer ist.”

Der von der Natur versetzte Schlag war mächtig, aber es ist ermutigend zu wissen, dass es keine Unterbrechung in unserem Kampf geben wird.

Auf die Wirtschaftskrise, die die Vereinigten Staaten und infolgedessen alle anderen Völker der Welt geißelt, gibt es keine endgültige Antwort. Im Gegensatz dazu gibt es diese für die Naturkatastrophen in unserem Land und für jeden Versuch, unserer Würde einen Preis setzen zu wollen.

Fidel Castro Ruz

16. September 2008

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Fidel Castro: Von den Hurrikans bestürmt

Wir hatten uns noch nicht vom emotionalen Eindruck und von den materiellen Schäden erholt, die vom Hurrikan Gustav durch außergewöhnlich starke Winde auf der Jugendinsel und in Pinar del Rio verursacht wurden, als uns die Nachrichten über die  vom Wirbelsturm Hanna hervorgerufenen Meeresüberschwemmungen erreichten, und noch schlimmer, jene Mitteilungen, dass Ike,  Hurrikan von hoher Intensität, aufgrund des durch das nördlich von ihm befindlichen starke Hochdruckgebiet ausgeübten Drucks in Richtung Südosten auswich und über eintausend Kilometer über das gesamte Gebiet unseres Landes hinwegfegen wird.

Das bedeutet, dass schließlich das gesamte Land von den drei Hurrikans betroffen wird und an manchen Stellen doppelt.

Wo wird einen Bananenbüschel, eine Frucht bzw. das Gemüse eines Intensivanbaus übrig bleiben? Wo Bohnenfelder bzw. andere Hülsenfrüchte? Wo ein Reis- oder Zuckerrohrfeld?  Wo eine Geflügel-, Schweine- bzw. Milchkühe-Farm? Das gesamte Land befindet sich jetzt in “Kampfalarm”, wie man es im Krieg nennt.

Jene in der Reflexion, die Gustav als einen Atomangriff bezeichnete, genannten Probleme haben sich vervielfacht. Die Prinzipien, die Leitfaden unseres Verhaltens sein sollen, bleiben bestehen, nur werden unvergleichbar größere Anstrengungen unternommen werden müssen.

Der Zivilschutz hat keine Minute ungenutzt verstreichen lassen. Diejenigen, die verantwortliche Positionen in Partei und Regierung innehaben, haben sich überall in Bewegung gesetzt. Die leitenden Kader müssen Disziplin fordern, Gefühle im Zaum halten und ihre Autorität ausüben. Fernsehen, Rundfunk und Printmedien übernehmen eine große Verantwortung in ihrer Funktion als Informationsübermittler.

Die Welt hat mit Bewunderung das Verhalten unseres Volkes gegenüber den Geißelungen von Gustav  beobachtet. Während die Feinde sich zynisch die Hände rieben, sind die Freunde entschlossen, – wie offenbar wurde – unserem Volk Hilfe zu leisten und es zeigte sich, dass es viele sind. Die über viele Jahre ausgesäte Solidarität trägt überall ihre Früchte. Russische Flugzeuge und die anderer Länder sind schnell aus tausenden Kilometern Entfernung mit Erzeugnissen gekommen, die nicht ihrem Volumen oder Preis nach gemessen werden, sondern gemäß ihrer Bedeutung. Spenden aus kleinen Staaten wie Ost-Timor, Botschaften aus wichtigen und freundschaftlich gesinnten Ländern wie Russland, Vietnam, China und anderen, brachten die Bereitschaft zum Ausdruck, so weit wie möglich ihre Kooperation bei den Investitionsprogrammen  leisten zu wollen, die wir unmittelbar zur Wiederherstellung der Produktion und zu deren Entwicklung in Angriff nehmen müssen.

Die Bolivarische Bruderrepublik Venezuela und ihr Präsident Hugo Chávez haben Maßnahmen getroffen, welche die großmütigste Solidaritätsgeste darstellen, die unser Vaterland je kennen gelernt hat.

Egal wie hart die erhaltenen und noch ausstehenden Schläge auch sein werden, unser Land ist meiner Meinung nach in der Lage, das Leben von Kubanern zu retten und den Familien solange materielle Unterstützung und Nahrungsmittelhilfe zukommen zu lassen, bis so kurzer Zeit wie möglich die Kapazität zur Nahrungsmittelproduktion wiederhergestellt wird. Diese Hilfe kann nicht in allen Kreisen gleich sein, da weder die Schäden gleich sind, noch die notwendige Zeit jedes einzelnen zur kompletten Wiederherstellung.

Wir werden im Augenblick von den Hurrikans bestürmt. Mehr denn je müssen die Vernunft und der Kampf gegen Verschwendung, Parasitentum und Bequemlichkeit geführt werden. Es muss mit vollkommener Ehrlichkeit gehandelt werden, ohne jegliche Demagogie oder Zugeständnisse an Willensschwäche und Opportunismus. Die revolutionären Partei- und Jugendorganisationsmitglieder müssen Beispiel sein. Sie müssen Vertrauen geben und empfangen und alles für das Volk geben, sogar das Leben, wenn es notwendig wäre.

Fidel Castro Ruz

7. September 2008

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Fidel Castro: Die belagerte Mannschaft

Die Olympischen Spiele in China stehen kurz vor ihrer Eröffnung. Vor wenigen Tagen habe ich über unsere Baseballmannschaft geschrieben. Ich erklärte, dass unseren Athleten eine sehr harte Probe bevorsteht und dass nicht sie es sind, welche die meiste Kritik verdient hätten, wenn etwas nicht gut ausgeht. Ich habe ihre Klasse und ihren Patriotismus anerkannt. Sie waren aufgrund der aus Kuba erhaltenen Kritiken deprimiert.

Mir wurde später bekannt, dass sie sich sehr heiter und froh zeigten. Sie hatten gelernt, die recht gewürzten koreanischen Nahrungsmittel auf Art und Weise des asiatischen Ostens mit Stäbchen zu essen. Sie schickten am 26. Juli eine mitreißende Botschaft. Ohne Zweifel werden sie sich der schwierigen Probe mit Ehren stellen.

Aber haben sie etwa gleiche Voraussetzungen wie die Mannschaften der reichen Mächte, zum Beispiel wie die der Vereinigten Staaten und Japans, die im Wettkampf Gegner von Kuba sein werden? Von diesen Ländern hat das erste eine dreißig Mal größere Bevölkerung, die mindestens elfmal größer ist als die des zweiten. Sie unterliegen keiner Wirtschaftsblockade und beiden stehen enorme Reichtümer zur Verfügung. Niemand raubt ihnen Athleten.

Japan hat seinen Profis angeordnet, sich dem olympischen Team anzuschließen, und sie müssen es tun, weil es ihre Besitzer so festlegen. Das hat nichts mit den Athleten zu tun, die in Ware verwandelt wurden.

Die Vereinigten Staaten haben am Vorabend der Olympiade mit ihrem Söldnergeld Alexei Ramírez, führender Home-run-Mann unserer Landesmeisterschaften von 2007, gekauft. Der Manager des Teams, das ihn gekauft hat, brüstet sich damit, dass sie nicht wissen, für welche Position sie ihn vorsehen sollen, da er sehr gut an allen trainiert ist. Die Details bezüglich der Handelsformalitäten rund um jenen Fall und bezüglich der Verteilung des Geldes, die über Agenturmeldungen verbreitet wurden, sind widerlich. Vorher hatten sie den hoffnungsvollsten Pitcher von Pinar del Rio, José Ariel Contreras, gekauft und so Unsicherheit und Misstrauen gesät.

In Edmonton, Kanada, wurde vor Spielbeginn mit der Mannschaft des Gastlandes der 23. Jugendweltmeisterschaft im Baseball die Abwesenheit des sicheren Spiel-Eröffners, des Linkshänders Noel Arguelles, und des Shortstop José Antonio Iglesias, mit einem Trefferdurchschnitt (Batting Average) von über 500, bekannt.

Der mutige Pitcher der Jugendmannschaft, Julio Alfredo Martínez Wong aus Pinar del Río, übernahm Pitchers Mound. Im achten Inning fehlte nur noch ein Out (Aus), es gab Spieler an verschiedenen Bases und er schien erschöpft. Der Bullpen bereitete Joan Socarrás Maya mit starken Aufwärmübungen vor und Anweisungen, sich für den Spieleintritt bereit zu halten. Esteban Lombillo, der energische und fähige Direktor der kubanischen Jugendmannschaft, war schon zur Box gegangen. Julio Alfredo forderte mit einer Explosion seiner Würde, weiter werfen zu dürfen: „Ich mache das zu Ende!” ― rief er aus. Lombillo, der ebenfalls aufgrund des niederträchtigen Verrats erbittert war, verstand ihn und vertraute ihm. Julio Alfredo setzte seine Seele ein. Er erreichte das fehlende “Aus” im achten Inning. Im neunten brachte er die Schlagmänner einen nach dem anderen jeweils mit drei Out ins Abseits und so gewann unsere Mannschaft gegenüber der von Kanada um einen Run.

Der Short-Ersatzmann Yandy Díaz spielte ausgezeichnet und war der Schlagmann, der das für den Sieg von Kuba entscheidende Double erzielte.

Edmonton ist zu einer Mülldeponie geworden. Die kubanischen Athleten wurden schlecht betreut. Die Stadt besitzt das Privileg, Austragungsort der jährlichen Meisterschaft zu sein. Es sollte analysiert werden, ob es sich lohnt, teilzunehmen. Zu dem Event war nicht ein einziger Vertreter der kubanischen Presse geschickt worden. Alles wurde auf informellem Wege bekannt.

Die würdigen kubanischen Athleten der olympischen Baseballmannschaft, die ausgezeichnet von den koreanischen Gastgebern betreut wurden, werden in China noch besser behandelt werden. Sie müssen unter den von mir oben erläuterten widrigen Umständen am Wettkampf teilnehmen. Egal wie das Ergebnis aussehen wird, sie wissen, dass für uns das Wichtigste die Ehre und der Mut sind, mit dem sie kämpfen.

Aber nicht nur im Baseball findet die imperialistische Aggression statt. Vor ein paar Monaten ließ sich ein Teil unserer Männerfußballmannschaft in den Vereinigten Staaten zum Verrat verleiten, womit die Perspektiven von Kuba in diesem Sport in der Arena international vermindert werden. Eine olympische Athletin im Judo, die eine beinahe sichere Goldmedaille darstellte, wurde bestochen. Dadurch dass unsere Athleten gekauft wurden, hat man uns fünf sichere Goldmedaillen im olympischen Boxsport entrissen. Es ist ein Schlachtruf, Kuba mit allen Mitteln fertig zu machen, indem man uns Köpfe, Muskeln und Beine raubt.

Worauf ist die Angst der Reichen und Mächtigen gegenüber unserer kleinen und unter Blockade stehenden Insel zurückzuführen?

Im Schach kämpft Leinier Domínguez in der Schweiz in einem der bedeutendsten internationalen Turniere.

Bei der Olympiade, die am 8. August beginnt, werden unsere Athleten der verschiedenen Sportdisziplinen mit mehr Würde denn je um das Gold kämpfen und unser Volk wird ihre Medaillen so feiern, wie niemals zuvor. Dann werden die Fans sich der Verräter erinnern.

Fidel Castro Ruz

31. Julio 2008

Die Bildung in Kuba

Es wird der Eindruck vermittelt, als ob unser Land dasjenige ist, das auf der Welt die meisten Probleme im Bildungswesen aufweist. Alle erhaltenen Agenturmeldungen berichten über viele und schwierige Herausforderungen: ein Defizit von über 8000 Lehrern,  Unhöflichkeit und schlechte Angewohnheiten der Schüler bzw. Studenten, ungenügende Vorbereitung; kurz und gut, Probleme jeder Art. 

 Erstens bin ich der Meinung, dass wir nicht so schlecht dastehen. Keines der entwickelten Länder weist auf diesem Gebiet unsere Schulabschlussraten und die Bildungsmöglichkeiten für alle Bürger auf, trotz der ungerechten Blockade und des unverschämten Raubs von Arbeitskräften der körperlichen und geistigen Tätigkeit und im Bereich des Sports, dem Kuba ausgesetzt ist.   

 Die Vereinigten Staaten und andere reiche Länder können keinen Vergleich mit unserem Land eingehen. Ja, sie haben viel mehr Autos, verbrauchen mehr Benzin, viel mehr Drogen, kaufen mehr unwichtige Dinge und ziehen Nutzen aus der Ausplünderung unserer Völker, wie sie es jahrhundertelang getan haben.

 Der Imperialismus hegt die Absicht, dass die kubanischen Frauen erneut zu einer Ware werden, zu Vergnügungsartikeln und Bediensteten der Reichen. Sie verzeihen den Befreiungskampf der Völker nicht. Sie sehnen sich nach den Jahren, in denen der Eintritt von schwarzen Kubanern in die Freizeiteinrichtungen verboten war. Viele Bürger hatten damals weder eine Anstellung noch Sozialversicherung und ärztliche Betreuung.

 Martí sagte, dass die Freiheit teuer ist, dass man sie um ihren Preis bezahlen muss oder sich damit abfinden müsse, ohne sie zu leben.  Das ist das Dilemma, das alle Kubaner jeden Tag genau überdenken müssen.

 Wieviel ist wahr an den Hoffnungen unserer Feinde? Nur in uns selbst ist die Antwort. Oder können wir uns in der Bildung ebenfalls die Frage stellen, ob die bürokratische Methode, Wissenschaft ohne Bewusstsein zu vermitteln, angewandt wird?  Ich glaube nicht, dass wir in der Entwicklung so weit zurückgefallen sind. Jedenfalls ist es unumgänglich, dass sich jeder diese Frage stellt, um zu verhindern, dass unsere Würde beleidigt wird. Wir können von unseren Feinden keine Gnade erwarten.  

 Es gibt mehrere zehntausend Menschen, die denken, sprechen, handeln und Entscheidungen treffen. In den Händen von ihnen liegen die Maßnahmen, die jeden Tag getroffen werden.

 Schenken wir unseren Feinden Aufmerksamkeit und tun genau das Gegenteil, was sie von uns wollen, um die zu bleiben, die wir sind.

 Es wird an unser Bewusstsein apelliert. Die Revolution fordert von uns allen, und mit Recht, mehr zu arbeiten, das heißt zu arbeiten! Wir haben 50 Jahre standgehalten. Die neuen Generationen sind viel besser vorbereitet; wir haben das Recht darauf, von ihnen viel mehr zu erwarten. Lassen wir uns nicht durch die Nachrichten der Feinde entmutigen, die den Sinn unserer Worte verdrehen und unsere Selbstkritik als Tragödien darstellen. Der Quell der revolutionären Ethik ist unerschöpflich!

 Fidel Castro Ruz

19. Juli 2008

Fidel Castro: Brief an Alina Perera, Journalistin der Zeitung Juventud Rebelde

Liebe Alina,

verzeih mir, wenn ich ein paar Minuten deine Aufmerksamkeit in Anspruch nehme. Der Grund spricht für sich selbst: Ich verbringe einen Großteil der Zeit mit dem Lesen von Nachrichten und Artikeln, darunter einigen aus unserer Presse.

In „Handel mit Privilegien“ (“Tráfico de regalías”), einem am 8. Juni in der Zeitung Juventud Rebelde veröffentlichten Kommentar, drückst du deine Bewunderung des ehrlichen Verhaltens von zwei Personen aus: einem Arzt, der den diagnostischen Ultraschall bedient und einem auf die Reparatur von Computern spezialisierten jungen Fachmann, der mit viel Mühe deinen persönlichen Computer in Gang gebracht hat.

Beide sind zwei gute Beispiele für junge revolutionäre Fachkräfte. Ich weiß genau, dass heute einige Zehntausend unserer Ärzte der außerordentlichsten Legion von Ärzten  angehören, die überall auf der Welt humanitäre Dienstleistungen erbringt. Sie wurden nicht zur Ausübung der privaten Medizin erzogen. Die Revolution hat sich von Anfang an und über ein halbes Jahrhundert lang bemüht, diese Kraft zu schaffen. Jene, die diesen edlen Beruf verraten, verdienen viel mehr Verachtung, als jede andere Form des Verrats, und zwar in dem gleichen Maße, wie das Leben und  das Leid des Menschen allen Respekt verdienen.  Ebenso verhält es sich mit jenen, deren Mission es ist, Kinder zu erziehen, die Kultur weiter zu entwickeln, die Wissenschaft oder den Sport zum Wohle aller zu fördern. Wenn man auf der Welt, in die man hineingeboren wird,  von dieser Pflicht ablässt, bedeutet das, dass die menschliche Gattung, der auch sie angehören, so vergänglich würde, wie die kapitalistischen Vorstellungen jener, die mit ihren Dienstleistungen handeln.

Die Frage, die wir uns alle stellen  müssen, ist, ob unser Verhalten und unsere Ziele im Einklang mit den Naturgesetzen und mit den Früchten der menschlichen Intelligenz stehen. Es ist eine moralische Pflicht, Konzepte und Haltungen jener anzuprangern, die dem Imperium dienen, jenem Imperium, das die uns liebsten und höchsten Werte vernichten will.

In aller Ehrlichkeit hast du zum Ausdruck gebracht, dass dich ein Sozialismus, der grau, langweilig und niveaulos ist, nicht interessiert. Wie langweilig, niveaulos und grau unser Sozialismus sein wird, hängt unter anderem davon ab, welchen Gebrauch unsere Journalisten von den Massenmedien machen, die die Revolution ihnen in die Hände gelegt hat. Auch diese sind kein Privateigentum, mit dem man die Köpfe der Menschen nach Belieben formen kann.

Es gibt nichts, was mehr entfremdet, als viele der Inhalte jener vom Imperialismus entwickelten so genannten „Unterhaltungsindustrie“, für die Kinder und Jugendliche unzählbare Stunden aufbringen, ohne dass der Sozialismus bis jetzt genügend wirkungsvolle Gegenmittel geschaffen hat, um ihrem schädlichen Einfluss zu begegnen.

Die Korruption und das Abzweigen von Mitteln verwandeln diejenigen, die sie ausüben, in Verteidiger des freien Marktes, durch den sie das Ergebnis ihres Diebstahls in Waren umwandeln.  Sie sind sich nicht einmal bewusst, was mit unserem Volk geschehen würde, wenn das Land erneut in die Hände des unersättlichen und ungeheuren Imperiums fiele.

Die Wissenschaft ist auf ihre Erfolge stolz. Viele sind natürlich froh über die Möglichkeit, Gene zum Zwecke der Gesundheit zu verändern, aber nur wenige sind beunruhigt über die mit der imperialen politischen Macht und ihrer faschistischen Idee einer höherwertigen Rasse als Herrin der heutigen und künftigen Welt verbundenen rassistischen Konzepte. Denk darüber nach. Informieren wir uns über die neuen wissenschaftlichen Entdeckungen und ziehen wir die richtigen Schlussfolgerungen.

Täglich erreichen uns Dutzende Nachrichten über die Nahrungsmittelkrise, die Energie- und Rohstoffpreise, den Klimawechsel und andere damit verbundene Probleme.

Die Soja, vorgewärmt auf 125ºC, ist eine der im höchsten Grade vollständigen und preiswerten Protein- und Kalorienquellen unter den bekannten industriellen Nahrungsmitteln für den direkten Konsum und zahlreiche Verwendungszwecke.  Die genveränderte Soja, die für die Produktion von tierischen Proteinen und Fetten angebaut wird, ist für den menschlichen Verbrauch nicht geeignet. Jahrelang verbesserte und geprüfte Hülsenfrüchte und Getreide ganz allgemein sind die Hauptquelle einwandfreier und gesunder Nahrungsmittel. Jedes von ihnen unterliegt strengen klimatischen Begrenzungen und braucht menschliche Arbeitskräfte, wobei Temperatur, Feuchtigkeit und Traditionen entscheidend die Erträge des verfügbaren Gebiets in jedem Land beeinflussen. Die Produktion pro Hektar dieser wesentlichen Proteine und Kalorien, ihr Energieaufwand und das Kohlendioxid, das jede angebaute Pflanzenart in die Atmosphäre abgibt, müssen im Handbuch der Politiker der Welt aufgeführt sein. Heutzutage ist das so wichtig wie lesen und schreiben zu können; Analphabetismus auf diesem Sachgebiet ist nicht hinnehmbar.

Heute benutzt man nicht den Rechenschieber zum Rechnen, wie vor neunzig Jahren, als die erste sozialistische Revolution ausbrach. Die Wissenschaft hat neben den atomaren, chemischen, biologischen und elektromagnetischen Waffen auch die Computer entwickelt. Vor zwei Tagen hat die US-Presse über einen großen militärischen Computer berichtet, der in der Lage ist, Millionen und Abermillionen Berechnungen pro Sekunde zu machen. Sie tauften ihn auf den Namen eines Vogels aus dem Bundesstaat New Mexiko, „Correcaminos“ (Rennkuckuck). Die Kosten seiner Herstellung lagen bei 133 Millionen Dollar.  Die Agenturmeldung fügte hinzu, dass „die sechs Milliarden Einwohner des Planeten 46 Jahre bräuchten, wenn sie alle die ganze Zeit ihre PCs nutzen würden, um die Berechnungen zu machen, die Rennkuckuck an einem Arbeitstag erledigen kann“.

Das sind Zahlen, liebe Alina, die die Phantasie stimulieren und mich zwingen, in diesem Brief diese überhaupt nicht literarischen Angaben zu benutzen.

Das Imperium bildet nicht nur sein eigenes Wissenschaftspersonal aus, sondern raubt in schändlicher Art und Weise den anderen Ländern der Welt viele ihrer besten Köpfe. Niemand kann mit ihm bezüglich der Ressourcen für die Forschung konkurrieren.

Mir haben die abschließenden Worte deines Artikels über das Buch von Cintio Vitier gefallen: Ese sol del mundo moral (etwa: Diese Sonne der moralischen Welt). Sie beweisen, dass die Wurzeln der Gerechtigkeit und Würde, die die Revolution Kuba gebracht hat, in der Ethik von Martí und in der Geschichte unseres Volkes enthalten sind.

Ich bin der Meinung, dass man in der heutigen Welt die Prinzipien des Sozialismus jetzt anwenden muß; denn später würde es zu spät sein.

Es würde mir gefallen, diese Botschaft, obwohl sie etwas länger als deine ist, auf der gleichen Seite der Zeitung Juventud Rebelde veröffentlicht zu sehen, auf der dein Artikel erschienen ist. Es soll kein Papier bzw. keine Sendezeit in anderen Medien dafür aufgewendet  werden.

Ich möchte zusätzlich, dass ihn jemand beim demnächst stattfindenden Journalistenkongress vorliest. Ich kann mich erinnern, dass viele unserer Journalisten vor wenigen Jahren nicht einmal über einen PC verfügten. Jetzt versucht die Regierung der Vereinigten Staaten, den Informationszugang zu blockieren. Trotzdem hoffe ich, dass ihr weiterhin die Sintflut von Nachrichten ganz aus der Nähe verfolgen könnt, welche die Welt einhüllen.

Ich möchte dir hiermit meine aufrichtigen wohlwollenden und anerkennenden Gefühle zum Ausdruck bringen.

Fidel Castro Ruz

10. Juni 2008
20:32 Uhr

Fidel Castro wirft EU Heuchelei vor

Havanna. Die angekündigte Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Kuba ist im Karibikstaat auf wenig Begeisterung gestoßen: Es handele sich um eine »riesige Heuchelei«, schrieb Kubas Revolutionsführer Fidel Castro am Freitag (Ortszeit) in einem Beitrag für das offizielle Internetportal Cubadebate. Die »Heuchelei« trete umso offener zutage, als die EU gleichzeitig ihre Abschiebungsregelungen »brutal« verschärft habe. Zudem werde die Aufhebung der Sanktionen, auf die sich die EU-Staaten am Donnerstag geeinigt hatten, »keinerlei wirtschaftliche Folgen« für Kuba haben, da das US-Embargo fortbestünde. Die EU hatte 2003 Sanktionen gegen Kuba verhängt, diese jedoch zwei Jahre später wieder ausgesetzt. (AFP/jW)

Reflexionen des Genossen Fidel: 25. Mai 2008

Die zynische Politik des Imperiums

Ein Schweigen meinerseits nach Obamas Rede am Nachmittag des 23. Mai vor der Cuban-American National Foundation (Kubanisch-Amerikanische Nationalstiftung), die von Ronald Reagan geschaffen wurde, wäre nicht ehrbar. Ich habe sie angehört, genau wie die von McCain und Bush. Ich hege keinen Groll gegen seine Person, weil er nicht für die gegen Kuba und die Menschheit begangenen Verbrechen verantwortlich ist. Wenn ich ihn verteidigen würde, würde ich seinen Gegnern einen riesigen Gefallen tun. Deshalb habe ich keinerlei Befürchtungen, ihn zu kritisieren und offen meine Gesichtspunkte zu seinen Worten auszudrücken.

Was hat er behauptet?

„Während meines gesamten Lebens hat es Ungerechtigkeit und Unterdrückung in Kuba gegeben und niemals in dieser Zeit hat das Volk die wirkliche Freiheit kennen gelernt, niemals im Leben von zwei Generationen hat das Volk von Kuba eine Demokratie kennen gelernt… wir haben während 50 Jahren keine Wahlen gesehen… Wir werden diese Ungerechtigkeiten nicht durchgehen lassen, wir werden gemeinsam die Freiheit für Kuba suchen”, sagt er zu den Annexionisten und fährt fort: „Ich gebe mein Wort darauf. Das ist meine Verpflichtung… es ist an der Zeit, dass das US-amerikanische Geld erreicht, dass das kubanische Volk weniger vom Castro-Regime abhängig ist. Ich werde das Embargo beibehalten…”
Der Inhalt der von diesem starken Präsidentschaftskandidaten ausgesprochenen Worte enthebt mich der Notwendigkeit, das Warum dieser Reflexionen zu erläutern.

José Hernández selbst, einer der Vorstandsmitglieder der Cuban-American National Foundation, die Obama in seiner Rede lobt, war der Eigentümer des halbautomatischen Scharfschützengewehrs Kaliber 50 mit Nachtsichtzielfernrohr, das zufällig zusammen mit anderen tödlichen Waffen in Beschlag genommen wurde, als man sie auf dem Meereswege nach Venezuela transportierte, wo die Foundation die Ermordung desjenigen plante, der diese Zeilen schreibt, und zwar bei einer internationalen Zusammenkunft in Margarita, im venezolanischen Staat Nueva Esparta.

Die Gruppe von Pepe Hernández wollte zu dem Pakt mit Clinton zurückkehren, den der Clan Mas Canosa verraten hatte, indem er im Jahr 2000 mittels Wahlbetrug Bush den Sieg darbrachte, weil er versprochen hatte Castro zu ermorden, etwas, was alle gern annahmen. Das sind politische Ränke, die dem dekadenten und widersprüchlichen System der Vereinigten Staaten eigen sind.

Die Rede des Kandidaten Obama kann als eine Formel des Hungers für die Nation, die Geldüberweisungen als Almosen und die Besuche in Kuba als Propaganda für den übermäßigen Konsum und den ihn stützenden unhaltbaren Lebensstil übersetzt werden.

Wie wird er dem schwerwiegenden Problem der Nahrungsmittelkrise begegnen? Das Getreide muss unter den Menschen, den Haustieren und Fischen verteilt werden, die von Jahr zu Jahr kleiner sind und spärlicher in den Meeren vorkommen, die vom Raubbau der großen Trawler-Unternehmen geschädigt sind, die keiner der internationalen Organismen in die Schranken weisen konnte. Es ist nicht leicht, Fleisch aus Erdgas und –öl herzustellen. Obama selbst überschätzt die Möglichkeiten der Technologie und Technik im Kampf gegen den Klimawechsel, obwohl er bewusster als Bush bezüglich der Risiken und der geringen zur Verfügung stehenden Zeit ist. Er könnte sich von Gore beraten lassen, der ebenfalls Demokrat ist und aufhörte, Kandidat zu sein, weil er den beschleunigten Rhythmus, mit dem die Erderwärmung zunimmt, gut kennt. Sein naher politischer Rivale Bill Clinton, – auch wenn er nicht Anwärter ist – Experte in exterritorialen Gesetzen wie dem Helms‑Burton- und dem Torricelli-Gesetz, kann ihn bei so einem Thema wie der Blockade beraten, die er zu beseitigen versprochen hatte, was er niemals erfüllte.

Wie hat sich bei seiner Rede in Miami derjenige ausgedrückt, der ohne Zweifel vom sozialen und humanitären Standpunkt aus gesehen der fortschrittlichste Wahlkandidat für das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten ist? „Während 200 Jahren” – sagte er – „haben die Vereinigten Staaten klar sehen lassen, dass wir den Eingriff in unserer Hemisphäre nicht zulassen werden, jedoch müssen wir beobachten, dass es eine bedeutende Intervention gibt – den Hunger, die Krankheit, die Verzweiflung. Von Haiti bis Peru können wir die Dinge etwas besser machen und müssen das tun, wir können die Globalisierung der leeren Mägen nicht akzeptieren…“ Wunderbare Definition der imperialistischen Globalisierung: die der leeren Mägen! Wir müssen ihm dafür danken; aber schon vor 200 Jahren hat Bolívar für die Einheit von Lateinamerika gekämpft und vor über 100 Jahren hat Martí im Kampf gegen die Annexion von Kuba durch die Vereinigten Staaten sein Leben gegeben. Wo sind die Unterschiede zwischen dem, was Monroe erklärt hat und dem, auf was Obama zwei Jahrhunderte später in seiner Rede Anspruch erhebt?

„Wir werden einen Sonderbeauftragten des Weißen Hauses haben, so wie es Bill Clinton handhabte“, – sagte er fast abschließend – „…wir werden das Friedenskorp erweitern und mehr Jugendliche darum bitten, dass sie dazu beitragen, dass unsere Beziehungen zu den Menschen stärker werden und vielleicht bedeutender. Wir können die Zukunft schmieden und nicht zulassen, dass die Zukunft uns schmiedet.“ Das ist ein schöner Satz, denn er billigt die Idee, oder zumindest die Befürchtung, dass die Geschichte die Persönlichkeiten macht und nicht umgekehrt.

Die Vereinigten Staaten von Heute haben nichts mehr mit jener Erklärung zu tun, welche von den 13 Kolonien, die sich gegen den englischen Kolonialismus erhoben, als Erklärung von Philadelphia über die Grundprinzipien abgegebenen wurde. Jetzt stellen sie ein gigantisches Imperium dar, das zu jenem Zeitpunkt seinen Gründern nicht in den Sinn gekommen ist. Jedoch hat sich für die Indianer und die Sklaven nichts geändert. Erstere wurde in dem Maße, in dem sich die Nation ausdehnte, ausgemerzt; die zweiten waren weiter Objekt von Versteigerungen auf den Märkten – sowohl Männer, Frauen als Kinder – und das noch fast ein Jahrhundert, trotzdem „die Menschen alle frei und gleich geboren werden”, wie es die Erklärung ausdrückt. Die objektiven Voraussetzungen des Planeten begünstigten die Entwicklung jenes Systems.

Obama sagt der Kubanischen Revolution einen antidemokratischen Charakter nach, der die Freiheit und die Menschenrechte nicht achtet. Genau das ist das Argument, das die US-Regierungen fast ohne Ausnahme verwendet haben, um ihre Verbrechen gegen unser Vaterland zu rechtfertigen. Die Blockade selbst ist ein Genozid und das ganz allein für sich. Ich möchte nicht, dass die US-amerikanischen Kinder in dieser beschämenden Ethik erzogen werden.

Die bewaffnete Revolution in unserem Land wäre vielleicht ohne das militärische Eingreifen, das Platt Amandment und das als deren Folge auferlegte koloniale Wirtschaftssystem nicht notwendig gewesen.

Die Revolution war Ergebnis der imperialen Herrschaft. Man kann uns nicht beschuldigen, diese aufgezwungen zu haben. Die wirklichen Veränderungen hätten ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten haben können und müssen. Ihre eigenen Arbeiter haben vor über einem Jahrhundert die Forderung nach dem Acht-Stunden-Tag aufgestellt, welche die Tochter der Arbeitsproduktivität ist.

Das erste, was wir Führer der Kubanischen Revolution von Martí gelernt haben, war, im Namen einer Organisation zu glauben und zu handeln, die zur Durchführung einer Revolution geschaffen worden ist. Wir hatten zuvor immer Befugnisse und sofort nach der Institutionalisierung wurden wir unter Teilnahme von über 90 Prozent der Stimmberechtigten gewählt, wie es schon in Kuba üblich ist, und nicht mit so einer lächerlichen Teilnahme, die oft, wie in den Vereinigten Staaten, nicht einmal 50 Prozent der Wähler erreicht. Kein anderes kleines, wie wir einer Blockade unterliegendes Land wäre in der Lage gewesen, so lange einer Macht wie der seines Nachbarn die Stirn zu bieten, wenn dies auf der Grundlage von Ambition, Dünkel, Betrug bzw. Amtsmissbrauch geschehen würde. Dies zu behaupten ist eine Beleidigung der Intelligenz unseres heroischen Volkes.

Ich stelle die scharfe Intelligenz von Obama nicht infrage, seine Fähigkeit zum Polemisieren und seinen Unternehmensgeist. Er beherrscht die Kommunikationstechniken und steht in der Wahlkompetenz über seinen Rivalen. Ich beobachte mit Sympathie seine Ehefrau und seine Mädchen, die ihn jeden Dienstag begleiten und ermutigen; es ist ohne Zweifel ein angenehmes menschliches Bild. Trotzdem sehe ich mich gezwungen, mehrere heikle Fragen zu stellen, obwohl ich keine Antwort darauf haben will, ich möchte sie nur festhalten.

Ist es korrekt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten die Ermordung von irgendeiner Person auf der Welt anordnet, egal unter welchem Vorwand?

Ist es ethisch, dass der Präsident der Vereinigten Staaten anordnet, andere Menschenwesen zu foltern?

Ist der Staatsterrorismus ein Instrument, das ein so mächtiges Land wie die Vereinigten Staaten anwenden sollte, damit es Frieden auf dem Planeten gibt?

Kann man ein Gesetz gut und ehrbar nennen, das wie das Adjustment Act als eine Bestrafung nur auf ein einziges Land, Kuba, angewendet wird, um es zu destabilisieren, auch wenn es das Leben von unschuldigen Kindern und Müttern kostet? Wenn es gut genannt werden kann, warum wendet man nicht das automatische Aufenthaltsrecht auf Haitianer, Dominikaner und Bürger der anderen Länder der Karibik an und tut dasselbe mit den Mexikanern, Zentralamerikanern und Südamerikanern, die wie Fliegen an der Mauer der mexikanischen Grenze bzw. in den Gewässern des Atlantischen und Pazifischen Ozeans sterben?

Können die Vereinigten Staaten auf die Immigranten verzichten, welche das Gemüse, die Früchte, die Mandeln und andere Delikatessen für die US-Amerikaner anbauen? Wer würde ihre Straßen fegen, die Hausdienste leisten und die schwersten und am schlechtesten bezahlten Arbeiten ausführen?

Sind die Razzien gegen die illegalen Einwanderer, die sogar die in den Vereinigten Staaten geborenen Kinder betreffen, gerecht?

Sind das Brain Draining (Raub von Gehirnen) und die andauernde Abwerbung des besten wissenschaftlichen und intellektuellen Intelligenzen der armen Länder moralisch und zu rechtfertigen?

Sie behaupten, wie ich zu Beginn dieser Reflexion anführte, dass Ihr Land schon vor langer Zeit die europäischen Mächte darauf hingewiesen hat, dass es keine Interventionen in der Hemisphäre zulassen würde, und unterstreichen gleichzeitig die Beanspruchung jenes Rechts für sich, indem Sie gleichzeitig fordern, an jeglichem Ort der Welt mit Unterstützung von hunderten auf die ganze Welt verteilten Militärstützpunkten, See-, Luft- und Weltraumstreitkräften eingreifen zu können. Ich frage Sie: Ist das die Art und Weise, durch welche die Vereinigten Staaten ihre Achtung gegenüber der Freiheit, der Demokratie und den Menschenrechten ausdrücken?

Ist es gerecht, – unter welchem Vorwand auch immer – durch Überraschungshandlungen und vorbeugend sechzig oder mehr dunkle Winkel der Welt, wie sie Bush nennt , anzugreifen?

Ist es ehrbar und klug Billionen und Aberbillionen Dollar im Militärindustriekomplex zu investieren, um Waffen herzustellen, welche die Erde mehrmals zerstören können?
Bevor Sie über unser Land urteilen, sollten Sie wissen, dass Kuba trotz der Wirtschafts- und Finanzblockade Ihres mächtigen Landes mit seinen Programmen im Bereich Bildung, Gesundheitswesen, Sport, Kultur und Wissenschaften – die nicht nur im eigenen Hoheitsgebiet angewendet werden, sondern ebenfalls in anderen armen Ländern der Welt – und mit dem in Solidarität mit anderen Völkern vergossenen Blut einen Beweis darstellt, dass man mit recht wenig sehr viel tun kann. Nicht einmal unserer besten Verbündeten, der UdSSR, wurde erlaubt, uns unser Schicksal vorzuschreiben.

Um mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten können die Vereinigten Staaten nur Fachleute aus dem militärischen Bereich schicken. Sie können es nicht anders tun, da sie nicht genügend Personal zur Verfügung haben, das bereit ist, sich für andere aufzuopfern und einem Land in Schwierigkeiten eine bedeutende Hilfe zu leisten, obwohl wir in Kuba ausgezeichnete US-amerikanische Ärzte kennen gelernt haben, die mit uns zusammengearbeitet haben. Die Fachleute sind nicht Schuld daran, denn die Gesellschaft erzieht sie nicht breit angelegt in diesem Sinn.

Die Kooperation unseres Landes haben wir niemals ideologischen Voraussetzungen untergeordnet. Wir haben sie den Vereinigten Staaten angeboten, als Katrina New Orleans hart getroffen hatte. Unsere internationalistische medizinische Brigade trägt den Namen Henry Reeve, ein junger In jenem Land geborener Mann, der im Ersten Unabhängigkeitskrieg für die Souveränität von Kuba gekämpft hat und gefallen ist.

Unsere Revolution kann mehrere zehntausend Ärzte und Fachleute des Gesundheitswesens einberufen. Sie kann auf ebensolche massive Art und Weise Lehrer und Bürger aufrufen, die bereit sind, auf der Grundlage irgendeines edlen Vorhabens in jeglichen Winkel der Erde zu gehen. Und das weder um Rechte widerrechtlich an sich zu reißen, noch Rohstoffe zu erobern.

Im guten Willen und der Bereitschaft der Menschen sind unendliche Ressourcen vorhanden, die weder in einem Bankgewölbe aufbewahrt werden können, noch dort hineinpassen. Sie gehen nicht aus der zynischen Politik eines Imperiums hervor.
Fidel Castro Ruz

25. Mai 2008

Reflexionen Fidel 18. Mai 2008

ZWEI HUNGRIGE WÖLFE UND EIN ROTKÄPPCHEN

Eine Grundidee hat meine Gedankenwelt seit meiner lang zurückliegenden Zeit als utopischer Sozialist beschäftigt. Diese hatte ihren Ausgangspunkt bei Null, einfach ausgehend von den einfachen Vorstellungen von Gut und Böse, welche die Gesellschaft, in der man geboren wird, jedem einflößt, wenn man diese – ganz von Instinkten erfüllt und ohne Wertgefühle – in jeder Gesellschaft und Zeitepoche von den Eltern, besonders den Müttern, vermittelt bekommt.

Da ich keinen politischen Lehrmeister hatte, waren Glück und Zufall untrennbare Bestandteile meines Lebens. Ich erwarb eine Ideologie auf eigene Rechnung, und zwar von dem Augenblick an, zu dem ich eine reale Möglichkeit hatte, die von mir als Kind, Teenager und junger Student erlebten Jahre zu beobachten und zu überdenken. Die Bildung wurde für mich zu einem Instrument schlechthin für eine Veränderung in der mir zu leben zugedachten Epoche und von der das Überleben unserer zarten Gattung an sich abhängen würde.

Nach einer langjährigen Erfahrung ist das, was ich heute über dieses heikle Thema denke, vollkommen kohärent mit dieser Idee. Ich brauche nicht um Entschuldigung zu bitten, – wie es einige vorziehen – um die Wahrheit zu sagen, selbst wenn diese hart ist.

Vor mehr als zweittausend Jahren hat Demosthenes, berühmter griechischer Redner, auf öffentlichen Plätzen mit Eifer eine Gesellschaft verteidigt, in der 85 Prozent der Menschen Sklaven bzw. Bürger waren, die weder Gleichheit noch Rechte als etwas Natürliches genossen. Die Philosophen teilten diesen Gesichtspunkt. Davon ausgehend entstand das Wort Demokratie. Zu jener Zeit konnte man nicht mehr von ihnen verlangen. Heutzutage, wo man über ein sehr umfangreiches Wissen verfügt, die Produktivkräfte sich unzählige Male vervielfältigt haben und die Botschaften über die Massenmedien für Millionen Menschen ausgearbeitet werden, will die riesige Mehrheit – der traditionellen Politik überdrüssig – nichts von ihr hören. Die an der Öffentlichkeit stehenden Personen genießen keinerlei Vertrauen und das zu einem Zeitpunkt, wo die Völker aufgrund der sie bedrohenden Gefahren dieses am meisten benötigen.

Nach dem Fall der UdSSR hat Francis Fukuyama, US-amerikanischer Staatsbürger japanischer Herkunft, geboren und erzogen in den Vereinigten Staaten und mit akademischem Abschluss an einer dortigen Universität, sein Buch Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch geschrieben, das sicherlich viele kennen, da von den Führungskräften des Imperiums sehr dafür geworben wurde. Er war zu einem Falken des Neokonservatismus und Befürworter des Einheitsdenkens geworden.

Seiner Meinung nach würde eine einzige Klasse übrig bleiben, die US-amerikanische Mittelschicht; alle anderen – denke ich – würden wir dazu verurteilt sein, Bettler zu sein. Fukuyama war entschlossener Befürworter des Krieges gegen den Irak, genau so wie Vizepräsident Cheney und seine erlesene Gruppe. Für ihn endet die Geschichte dort, wo Marx „das Ende der Vorgeschichte“ sah.

Zur Eröffnungszeremonie des am vergangenen 15. Mai in Peru veranstalteten Gipfels Lateinamerika und die Karibik- Europäische Union wurde auf Englisch, Deutsch und in anderen europäischen Sprachen gesprochen, ohne dass die wichtigsten Teile der Reden von den Fernsehanstalten ins Spanische bzw. Portugiesische übersetzt wurden, als ob in Mexiko, Brasilien, Peru, Ecuador und anderen Ländern die Indios, Schwarzen, Mestizen und Weißen – über 550 Millionen Menschen, davon der größte Teil arm – Englisch, Deutsch oder eine andere ausländische Sprache sprechen würden.

Jedoch wird jetzt die große Versammlung von Lima und ihre Abschlusserklärung lobend genannt. Dort wurde unter anderem zu verstehen gegeben, dass die Waffen, die ein vom Imperium mit dem Genozid bedrohtes Land erwirbt, wie es Kuba seit vielen Jahren ist und jetzt Venezuela, sich ethisch nicht von denen unterscheiden, welche die Kräfte der Repressionsgewalt zur Unterdrückung des Volkes und zur Verteidigung der Interessen der Oligarchie, die Verbündete jenes Imperiums ist, verwenden. Man kann nicht die Nation in eine Ware verwandeln und noch weniger die Gegenwart und Zukunft der neuen Generationen aufs Spiel setzen.

Die 4. Flotte, als Interventionskraft und drohende Macht, wird natürlich in den Reden nicht erwähnt, die von jenem Treffen im Fernsehen übertragen wurden. Eines der dort vertretenen lateinamerikanischen Länder hat gerade gemeinsame Manöver mit einem US-Flugzeugträger Nimitz durchgeführt, der mit aller Art Waffen zur Massenvernichtung bestückt ist.

In jenem Land haben vor wenigen Jahren die Repressionskräfte mehrere Zehntausend Menschen verschwinden lassen, gefoltert und ermordet. Die Nachkommen der Opfer wurden durch die Verteidiger der Besitztümer der besonders Reichen enteignet. Seine wichtigsten militärischen Führungskräfte haben mit dem Imperium bei seinen schmutzigen Machenschaften kollaboriert. Sie haben auf diesen Bund vertraut. Warum sollte man erneut in dieselbe Falle gehen? Obwohl die Schlussfolgerung, auf welches Land angespielt wird, einfach ist, möchte ich es nicht nennen, um nicht eine Brudernation zu verletzen.

Jenes Europa, welches bei dieser Zusammenkunft den Ton angab, ist dasselbe, das den Krieg gegen Serbien befürwortet hat, die Eroberung des Erdöls von Irak durch die Vereinigten Staaten, die religiösen Konflikte im Nahen und Mittleren Osten, die geheimen Gefängnisse und Flugzeuglandungen und die Pläne von schrecklichen Folterungen und Ermordungen, die von Bush ausgeheckt wurden.

Jenes Europa stimmt mit den Vereinigten Staaten bei den exterritorialen Gesetzen überein, wobei es die Souveränität ihrer eigenen Gebiete verletzt, verstärkt die Blockade gegen Kuba, indem es den Technologietransfer, die Lieferung von Teilen und sogar von Arzneimitteln an unser Land behindert. Seine Medien verbinden sich mit der Medienmacht des Imperiums.

Was ich während des ersten Treffens zwischen Lateinamerika und Europa vor neun Jahren in Rio de Janeiro gesagt habe, behält seine volle Gültigkeit. Nichts hat sich seit damals verändert, ausgenommen die objektiven Voraussetzungen, welche die unmenschliche kapitalistische Ausbeutung noch unhaltbarer machen.

Der Gastgeber des Treffens war nahe daran, die Europäer aus dem Häuschen zu bringen, als er einige der von Kuba vorgelegten Punkte bei der Abschlussveranstaltung nannte:

1. Erlassung der Auslandsschuld von Lateinamerika und der Karibik;

2. Investment in Ländern der Dritten Welt von 10 Prozent der Ausgaben für militärische Zwecke;

3. Aufhebung der enormen Subventionen für die Landwirtschaft, die mit der Landwirtschaftproduktion unserer Länder konkurrieren;

4. Zuweisung des Lateinamerika und der Karibik entsprechenden Teils der Verpflichtung von den 0,7% des BIP an diese Länder.

Den Gesichtern und Blicken nach zu urteilen konnte ich beobachten, dass die führenden europäischen Persönlichkeiten einige Sekunden lang schockiert waren. Aber, warum sollte man verbittert werden? In Spanien wird es noch einfacher sein, mitreißende Reden und wunderbare Schlusskommuniques zu halten. Es war hart gearbeitet worden. Das Festessen war serviert. Auf dem Tisch würde keine Nahrungsmittelkrise zu sehen sein. Die Proteine und die Liköre würden reichlich vorhanden sein. Es fehlte nur Bush, der unermüdlich für den Frieden im Mittleren Osten arbeitete, wie er es für gewöhnlich tut. Er war entschuldigt. Es lebe der Markt!

Der bei den reichen Vertretern von Europa vorherrschende Geist war die ethnische und politische Überlegenheit. Sie waren alle Träger der bürgerlichen kapitalistischen und nur auf den Konsum ausgerichteten Denkweise und sprachen und applaudierten in deren Namen. Viele von ihnen hatten die Unternehmer mitgebracht, welche die Stütze und das Fundament „ihrer demokratischen Systeme, Bürgen der Freiheit und der Menschenrechte“ sind. Man muss Experte in Physik der Wolken sein, um sie zu verstehen.

Zurzeit stehen die Vereinigten Staaten und Europa wegen dem Erdöl, den wichtigsten Rohstoffen und den Märkten im Wettbewerb zu- und gegeneinander. Hierzu kommt jetzt noch der Vorwand des Kampfes gegen den Terrorismus und das organisierte Verbrechen, die sie mit den alles verzehrenden und unersättlichen Konsumgesellschaften selber geschaffen haben. Zwei hungrige Wölfe als gute Großmütter verkleidet und ein Rotkäppchen.

Fidel Castro Ruz

18. Mai 2008

Reflexionen Fidel 4. Mai

HEMISPHÄRISCHE YANKEE-ANTWORT: 4. ANGRIFFSFLOTTE

Sie wurde im Jahr 1943 zur Bekämpfung der Nazi-Unterseeboote und zum Schutz der Schifffahrt während des Zweiten Weltkrieges gegründet. Sie wurde im Jahr 1950 inaktiviert, da sie überflüssig war. Das Südkommando ersetzte die hegemonischen Bedürfnisse der Vereinigten Staaten in unserem Gebiet. Dennoch wurde sie nach 48 Jahren vor einigen Tagen wieder ins Leben gerufen und ihre Interventionsziele brauchen nicht bewiesen zu werden. Ihre eigenen Militärchefs haben es in ihren Erklärungen ganz natürlich, spontan und sogar unaufdringlich bekannt gegeben. Überlastet mit den Problemen bezüglich der Nahrungsmittelpreise, der Energie, des ungleichen Austausches, der Wirtschaftsrezession auf dem für seine Produkte wichtigsten Markt, der Inflation, der Klimawechsel-Erscheinungen, und der für die Konsumträume erforderlichen Investitionen, kompromittierten sie die Zeit und die Energie der Regierenden und Regierten.

Aber die Tatsache ist, dass die Entscheidung zur erneuten Schaffung der 4. Angriffsflotte in der ersten Aprilwoche verkündet wurde, fast einen Monat nach dem Angriff auf das Gebiet von Ecuador mit US-Bomben und -Technologie und unter US-Druck, wobei Bürger verschiedener Länder getötet und verletzt wurden, was große Ablehnung der führenden lateinamerikanischen Persönlichkeiten während der in der Hauptstadt der Dominikanischen Republik durchgeführten Sitzung der Rio-Gruppe verursachte.

Noch schlimmer: Dieses Ereignis findet zu einem Zeitpunkt statt, wo die Ablehnung zur von den Vereinigten Staaten geförderten Teilung von Bolivien fast einmütig ist. Die Militärchefs selbst haben erklärt, dass ihr Verantwortungsbereich mehr als 30 Länder umfassen wird, was 15,6 Millionen Quadratmeilen in den angrenzenden Gewässern von Mittel- und Südamerika, des karibischen Meeres und seiner zwölf Inseln, Mexiko und von den europäischen Gebieten auf dieser Seite des Atlantiks umfasst.

Die Vereinigten Staaten besitzen zehn Nimitz-Flugzeugträger, deren Parameter ungefähr ähnlich sind: Wasserverdrängung von 101 000 bis 104 000 Tonnen Höchstlast; Schiffsdecklänge 333 Meter; Schiffsdeckbreite 76,8 Meter; zwei Kernreaktoren; höchste Geschwindigkeit 56 Km pro Stunde; 90 Kriegsflugzeuge. Der letzte von ihnen heißt George H.W. Bush, wie der Vater des jetzigen Präsidenten. Der Vater selbst hat ihn bereits mit Champagner getauft und er soll in den folgenden Monaten fertigt gestellt werden, um sich den anderen Schiffen anzuschließen.

Kein einziges Land auf der Welt besitzt ein Schiff wie diese, die alle mit hoch entwickelten Kernwaffen ausgerüstet sind und sich jedem unserer Länder bis auf wenige Meilen annähern können. Der nächste Flugzeugträger, der USS Gerald Ford, wird ein neues Modell sein: Stealth-Technologie, unsichtbar für Radare, und elektromagnetische Waffen. Der Haupthersteller solcher Flugzeugträger ist das Unternehmen Northrop Grumman, dessen jetziger Präsident auch Mitglied des Vorstandes der US-Ölgesellschaft Chevron-Texaco ist. Die Kosten des letzten Nimitz betrugen sechs Milliarden Dollar, und das ohne Flugzeuge, Geschosse und Betriebskosten mitzurechnen, die ebenfalls in Milliardenhöhe sein können. Sieht wie eine Sciencefiction-Erzählung aus. Mit diesem Geld hätte man das Leben von Millionen Kindern retten können.

Was ist die erklärte Zielsetzung der 4. Angriffsflotte? „Den Terrorismus und solche unerlaubte Tätigkeiten wie den Drogenhandel zu bekämpfen“, sowie eine Botschaft an Venezuela und den Rest der Region zu übermitteln. Es wurde angekündigt, dass sie ab nächsten 1. Juli operieren wird.

Der Leiter des US-Südkommandos, Admiral James Stavrides, erklärte, dass dieses Land kräftiger „auf dem Ideenmarkt arbeiten muss, um die Herzen und den Verstand“ der Bevölkerung in der Region zu gewinnen.

Die Vereinigten Staaten verfügen bereits über die 2., 3., 5., 6. und 7. Flotten, die im Westatlantik, im Ostpazifik, im Mittleren Osten, im Mittelmeer, im Ostatlantik und im Westpazifik stationiert sind. Es fehlte nur die 4. Flotte, um alle Meere des Planeten zu beaufsichtigen. Insgesamt verfügen sie über neun Nimitz-Flugzeugträger, die sich im aktiven Dienst oder kurz vor ihrer vollen Kampfbereitschaft befinden, wie der George H. W. Bush. Die Vereinigten Staaten besitzen die notwendige Rücklage, um die Macht irgendeiner ihrer Flotten auf einem bestimmten Schauplatz zu verdreifachen oder sogar zu vierfachen.

Die Flugzeugträger und Atombomben, mit denen unsere Länder bedroht werden, dienen dazu, den Terror und den Tod zu verbreiten, aber nicht, um den Terrorismus und die unerlaubten Tätigkeiten zu bekämpfen.

Sie sollten auch dazu dienen, die Mittäter des Imperiums zu beschämen und die Solidarität unter den Völkern zu vervielfachen.

Fidel Castro Ruz

4. Mai 2008

20:46 Uhr

Reflexionen Fidel 30. April

Reflexionen des Genossen Fidel für CubaDebate

Eine Feuerprobe

Während unser Volk am 1. Mai, dem Feiertag der Werktätigen, mit Freude feierlich dieses Jahr begeht, in dem ein halbes Jahrhundert seit dem Sieg der Revolution vergangen sein wird und in dem wir den siebzigsten Jahrestag der Gründung der CTC (Zentraler Kubanischer Gewerkschaftsbund) begehen, stehen unserer Bruderrepublik Bolivien, die sich intensiv bemüht, die Gesundheit ihres Volkes zu bewahren, ihm Bildung zu geben und dessen Sicherheit zu garantieren, in wenigen Tagen, vielleicht nur Stunden, dramatische Ereignisse bevor.

Jetzt, wo aus allen Teilen der Welt haarsträubende Nachrichten über den Mangel und die Kosten der Nahrungsmittel, den Preis der Energie, Klimawechselerscheinungen und Inflation eintreffen, Probleme, die zum ersten Mal überall als lebenswichtige Fragen auftreten, ist der Imperialismus bemüht, Bolivien zu desintegrieren und es entfremdender Arbeit und Hunger zu unterwerfen.

In diesem Land sind vier seiner wirtschaftlich stärksten Verwaltungsbezirke (Departamentos) bemüht, – allen voran die Oligarchen von Santa Cruz –ihre Unabhängigkeit zu erklären und haben mit Unterstützung des Imperiums ihr Programm der Volksbefragungen vorgesehen, für welche die Massenmedien das Terrain und die Meinungen der Abstimmungsberechtigten mit aller Art Illusionen und Betrug vorbereitet haben.

Aufgrund ihrer historischen Funktionen in einem angegriffenen und des Meereszugangs und anderer vitaler Ressourcen beraubten Landes wollen die Streitkräfte nicht die Desintegration von Bolivien; aber der verräterisch ausgedachte Yankee-Plan besteht darin, einige antipatriotische Sektoren unter den Militärs zu benutzen, um sich im Namen der Einheit Evos zu entledigen. Etwas, das bei Aneignung der grundlegenden Produktionsbereiche durch die transnationalen Unternehmen rein formell wäre. Die Losung des Imperialismus lautet, Evo zu bestrafen und sich seiner zu entledigen.

Dies ist der Zeitpunkt, das öffentlich anzuzeigen und die Wahrheit zu sagen.

Aufgrund dessen, dass man die Faktoren, die zu einer schweren internationalen Krise führten, nicht vorausgesehen und nicht über sie nachgedacht hat, scheint jetzt „Rette sich, wer kann“ der in vielen Teilen der Welt zu hörende Schrei zu sein.

Für die Völker und Regierungen von Lateinamerika wird es eine Feuerprobe sein. Für unsere Ärzte und Erzieher wird alles, was in jenem Land geschieht, in dem sie ihre edle und friedliche Arbeit ausüben, ebenfalls eine Feuerprobe sein. Sie werden in Gefahrensituation nicht ihre Patienten und Schüler im Stich lassen.

Fidel Castro Ruz

30. Abril 2008

21:50 Uhr