Märchen von Kuba

Märchen von Kuba

Insel zwischen Lüge und Wahrheit
Hans Weiss
Nomen Verlag, Frankfurt 2005
ISBN 3-9809981-5-0

Das Buch ist so etwas wie einE alternativer ReisevorbereiterIn für jemandeN, der/die zum ersten mal eine Reise auf die Antilleninsel plant und sich nicht mit den in Europa herrschenden Kubaportraits zufrieden geben möchte. Es ist gleichzeitig ein Büchlein, dass platte Vorurteile gegen Kuba aufzeigt und dabei manch Absurditäten von so genannten „seriösen“ Medien und JuornalistInnen zu Tage fördert.

Es gibt für Weiss 3 Arten von Journalisten, die über Kuba berichten:
1) die, die an der Hotelbar sitzen und sich von einer „Puta“ das Land erklaren lassen. Diese schreiben nur ab, nehmen Berichte von Anderen auf und geben sie als eigene Erfahrungen weiter.
2) Die, die auch an der Hotalbar sitzen und sich auch von einer „Puta“ das Land erklären lassen, aber sich nocht Zeit nehmen, sich gemäß ihren eigenen Vorurteilen ein paar ausgewählte, eigene Erlebnisse organisieren. Dabei beobachten Sie äußerst oberflächlich das Alltagsgeschehen und interpretieren es ohne Sachverstand mit Ihren eigenen, unüberprüften Fantasien und Vorurteilen. Das ist die häufigste Arte des Genres. Sie arbeiten mit Halbwahrheiten, verdrehen und verstümmeln diese, bis eine ihnen genehme Aussage herauskommt.
3) Die dritte, seltene Art ist die der wirklich seriösen Recherchierer, die der Wahrheit durch Überprüfung auf den Grund gehen wollen, die mit den Menschen reden, Ihre Situation kennenlernen wollen und ein richtiges Bild zeichen wollen.
Das Buch handelt Schwerpunktmäßig von der 2. Kategorie.

Etwa davon dass es keine Supermärkte auf Kuba geben soll und dass die Kubanerinnen für den Zugang zu den exklusiven Devisenmärkten, wo es allein Seife und Cola geben soll, alles machen – eben auch Prositution. Keine Rede davon, dass in jedem Supermarkt jedeR KubanerIn einkaufen kann, sofern er oder sie über Peso Convertibile verfügt, was nicht alle KubanerInnen tun. Oder davon, dass die Kubanischen EinreisebeamtInnen jeden Tourist mit Misstrauen ausfragen und die Polizei jedeN Touristen auf Schritt und Tritt kontrolliert, damit er/sie nur ja nicht mit Einheimischen in Kontakt tritt. Diese Kontrolle findet gemeinerweise so statt, dass niemend etwas davon bemerkt – ganz perfide eben.

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte Kubas macht schon den Unterschied deutlich zwischen der Darstellung, dass Kuba 1492 von Kolumbus „entdeckt“ wurde und der Tatsache, dass sich dort bereits vor ca 10.000 Jahren die ersten Stämme aus dem Gebiet des Orinoco und des Amazonas angesiedelt hatten. Die „Entdekcung“ durch die Europäer war also nichts anderes als die Entdeckung der Ausbeutung der Insel aber nicht der Insel selbst.
Der Eroberung und Ausbeutung durch die Spanier folgte nach dem langen Freiheitskampf (José Martí) nach der Kapitulation Spaniens am 16. Juli 1898 die Ausbeutung durch die USA. Die Ausrufung der Republik Kuba am 20. Mai 1902 brachte nicht die Selbstständigkeit sondern die wirtschaftliche und politische Abhängigkeit vom großen Nachbarn. Mehr und mehr Wirtschaftsbetriebe gehen in US Eigentum über und auch politisch behalten sich die US Regierungen durch diverse Verfassungsanhänge (Platt-Amendment) direktes Interventionsrecht auf der Insel vor. Aus dieser Zeit kommt auch die Besetzung der Guantanamo Bay im Südosten Kubas als US Marinestützpunkt. Der letzte diktatorische Machthaber Kubas – so wie alle Präsidenten und Machthaber vor Ihm von der Gunst der US Regierungen getragen – war Fulgenico Batista Zaldívar, der vor den herannahenden Revolutionären um Fidel und Raul Castro, Che Guevara und Camillio Cienfuegos am 1. Jänner 1959 in die USA floh. Kuba war bis zur Revolution eines der Paradiese für US Millionäre, US Militärs und US Mafiosis, die sich die ganze Insel als Vergnügungsviertel hielten. Die Mehrheit der Bevölkerung lebte in bitterer Armut, ohne Gesundheitsversorgung, Bildung und geregeltem Einkommen. Ende 1957 kontrollierten die USA 90% der kubanischen Minen und 80% der öffentlichen Versorgungsbetriebe, Bastista erhält von den USA 1.000.000 $ Militärhilfe, allein in Havanna zählte man 11.500 Prostituierte.

Es folgen ein paar Statistiken im Ländervergleich Kuba – sonstiges Leinamerika und die Aufzählung statistisch unhaltbarer Aussagen über den angeblichen Niedergang, den Kuba seit der Revolution durchgemacht hat. Ganz interessant dabei ist die Nachhilfe über Statistik, wie die reichen Mafiosi vor der Revolution das statistische Durchschnittseinkommen der KubanerInnen nach oben geschraubt haben …

Zahlreiche Falsch- oder Halbwahrheiten werden zitiert um dann entweder harte Fakten oder eigene, konträre Beobachtungen dagegen zu stellen. Das Ergebnis ist immer die Bloßstellung der dummen und dumpfen Vorurteile gegen Kuba, die die Lust, sich selbst ein Bild von der Insel und den Menschen zu machen, erhöht.

Dies ist auch die stärkste Aussage des Buches: nicht die zumeist zweifellos richtigen Antithesen zu antikubanischen Aussagen sondern die Förderung der Lust nach eigenen Recherchen. Und dies ist gut so.

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