Kuba ließ sich nicht einschüchtern

(Junge Welt vom 26.06.2008)

Havanna. Der kubanische Außenminister Felipe Pérez Roque hat die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen sein Land als »Sieg der Vernunft« bezeichnet. Kuba sei »in dieser Konfrontation niemals zurückgewichen«, sagte Pérez Roque am Dienstag abend während eines zweitägigen Besuchs in der sambischen Hauptstadt Luanda, wie die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina meldete. Die EU habe »keine andere Wahl gehabt als ihre Zwangspolitik aufzugeben«. Die EU hatte die Sanktionen gegen Kuba 2003 verhängt. (AFP/jW)

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Den politischen Wandel in Kuba befördern

Artikel in: Junge Welt (www.jungewelt.de)
EU-Sanktionen aufgehoben – zur Probe: Brüssel mischt sich weiter in Angelegenheiten der Karibikinsel ein
In dem Bemühen, mit Kuba wieder besser ins Geschäft zu kommen, kehrt die EU ihrer seit 2003 praktizierten Sanktionspolitik gegenüber der sozialistischen Karibikinsel den Rücken. Die Außenminister der 27 Mitgliedstaaten vereinbarten in der Nacht zum Freitag auf dem EU-Gipfel in Brüssel deren Ende. Die vollständige Aufhebung, die formal noch durch einen EU-Ratsbeschluß bestätigt werden muß, gilt zugleich als »ein klares Signal an die neue kubanische Regierung«, so Diplomaten in Brüssel. Klartext sprach EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner: »Wir wollen den politischen Wandel in Kuba befördern.«

Entwicklungshilfekommissar Louis Michel verwies darauf, daß die neue Entscheidung »den Weg für einen offeneren und ehrlicheren Dialog zwischen Brüssel und Havanna« öffne. Zugleich fiel die EU-Bürokratie in ihre altbekannte Politik der Drohgebärden gegenüber Kuba inklusive der Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes zurück: So wurde Havanna aufgefordert, »die Menschenrechtslage« zu verbessern. Als Beispiel nannte Ferrero-Waldner die Freilassung politischer Gefangener. Ultimativ wurde hierfür eine Frist von einem Jahr gesetzt. Nach Ablauf der kommenden zwölf Monate soll dann europäischerseits »geprüft« werden, »ob die kubanische Regierung diese Anforderungen erfüllt hat«.

Für eine solche Revisionsklausel hatten sich unter anderem Deutschland, Tschechien und Schweden stark gemacht. »Wir lassen nicht locker«, sagte der schwedische Außenminister Carl Bildt. »Das ist ein repressives Regime, und wir sagen sehr klar, was wir erwarten. Wir wollen demokratische Veränderungen.« Daß hierfür auch oppositionelle, westlich orientierte Gruppierungen innerhalb Kubas materiell und politisch gefördert werden, ist ein offenes Geheimnis.

Obwohl auch der »neue, alte Kurs« der EU gegenüber Kuba der Destabilisierung des Sozialismus dienen soll, übten die auf Konfrontations- und Embargopolitik geeichten USA Kritik. Das Weiße Haus sei »enttäuscht«, erklärte dessen stellvertretender Sprecher Gordon Johndroe: »Wir meinen, die Castros müßten eine Reihe von Schritten zur Verbesserung der Menschenrechtslage unternehmen, ehe Sanktionen aufgehoben werden.«

Fidel Castro wirft EU Heuchelei vor

Havanna. Die angekündigte Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Kuba ist im Karibikstaat auf wenig Begeisterung gestoßen: Es handele sich um eine »riesige Heuchelei«, schrieb Kubas Revolutionsführer Fidel Castro am Freitag (Ortszeit) in einem Beitrag für das offizielle Internetportal Cubadebate. Die »Heuchelei« trete umso offener zutage, als die EU gleichzeitig ihre Abschiebungsregelungen »brutal« verschärft habe. Zudem werde die Aufhebung der Sanktionen, auf die sich die EU-Staaten am Donnerstag geeinigt hatten, »keinerlei wirtschaftliche Folgen« für Kuba haben, da das US-Embargo fortbestünde. Die EU hatte 2003 Sanktionen gegen Kuba verhängt, diese jedoch zwei Jahre später wieder ausgesetzt. (AFP/jW)

Hugo Chávez bei Fidel und Raúl Castro

(www.jungewelt.de) vom 18.06.2008
Havanna. In seinem geliebten Jogginganzug und sichtlich schlanker war Fidel Castro am Dienstag abend (Ortszeit) im kubanischen Staatsfernsehen zu sehen. Ein tonloses Video zeigte den früheren Staatschef am Dienstag morgen mit seinem Bruder Raúl Castro und dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez in einem Garten sitzen und sich angeregt miteinander unterhalten (Foto). Es sind die ersten Aufnahmen von Fidel Castro seit sechs Monaten – zuletzt war er im Januar nach einem Besuch des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio »Lula« da Silva im Fernsehen zu sehen gewesen.

Hugo Chávez, derzeit wichtigster politischer und wirtschaftlicher Bündnispartner Kubas, hielt sich für zwei Tage auf der Karibikinsel auf. Er hatte Fidel und Staatsoberhaupt Raúl Castro bereits am Montag abend getroffen. Im Anschluß an die erste, dreistündige Begegnung hatte der Venezolaner erklärt: »Fidel ist lebendig und wohlauf, denkt, schreibt und diktiert wichtige Strategien für Kuba und unser Lateinamerika.«

Schon bei seiner Ankunft in Havanna stellte sich Chávez den Fragen der Presse: Der Grund seines Besuches – der zweite in diesem Jahr – sei es, mit der kubanischen Führung die bilateralen Beziehungen zu vertiefen sowie die aktuelle Situation der Welt zu analysieren, zitierte ihn die staatliche kubanische Tageszeitung Granma (Mittwochausgabe). Chávez erklärte demnach, Fidel habe ihn im Vorfeld des Treffens in einem Brief auf die Verschlimmerung der Energie-, Lebensmittel- und Finanzkrise hingewiesen. Eine Situation, die Fidel die »Mutter aller Krisen« genannt habe und deren Ursprung in einer »Krise der Ideen«, der Regierungen und des kapitalistischen Modells an sich zu suchen sei. Bei ihren Gesprächen kamen Chávez und die beiden Castro-Brüder laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua überein, das wichtigste Ziel sei nun die Erhöhung der landwirtschaftliche Produktivität. Dafür sollen weitere gemeinsame Projekte in diesem Bereich in Angriff genommen werden. Auch bekräftigten die drei Politiker die Absicht, die Entwicklung der petrochemischen Anlagen in Cienfuegos weiter voranzutreiben.

Cuban 5 Urteile von US Gericht in der Berufung bestätigt

5. Juni 2008: Heute morgen erhielten wir eine E-Mail des National Committee to Free the Cuban Five mit folgendem Inhalt:
Das 11. Bezirksgericht bestätigt die Urteile.
Organisiert Proteste sofort!
Befreit die Cuban Five jetzt! – Liefert Posada aus!
Das 3-Richter.Gremium des 11. Gerichtshof für Berufungen hat heute seine Entscheidung bekannt geben, in der es die Urteile der fünf kubanischen Helden bestätigt, einschließlich der Spionage- und Mord-Verschwörung. Die lebenslangen Strafen wegen Spionage-Verschwörung gegen Antonio und Ramón und die [19-jährige] Strafe gegen Fernando werden an die Richterin des Verfahrens von Miami für ein neues Urteil zurück verwiesen.
Haltet Verbindung zu unserer Website und den E-Mails unseres Komitees, um die Reaktion Kubas und die Erklärungen der Anwälte der Fünf zu erfahren. Wir rufen alle Unterstützer dringend dazu auf, sich in ihren Städten und Gemeinden zu versammeln, um vor US-Bundesgebäuden oder auf anderen angebrachten Plätzen und in Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten, wo immer möglich, vor Botschaften, Konsulaten oder anderen entsprechenden Symbolen Protestversammlungen abzuhalten.
Wie das National Committee to Free the Cuban Five in den vergangenen Monaten angeregt hat [„Day After“], ist eine sofortige Antwort extrem wichtig, um die Aufmerksamkeit der Medien für diese Ungerechtigkeit gegen die Cuban Five zu erregen, und die breite nationale und internationale Unterstützung für unsere Brüder zu zeigen.
Klicken Sie auf die Website [http://www.freethefive.org/updates/ActionAlerts/AADayAfter011008.htm#actions] mit geplanten Demonstrationen und schreiben Sie bitte an webmaster@freethefive.org, damit wir Ihre Stadt auf die Liste setzen können.

Partei-Stiftungen arbeiten am Rechtsruck in Lateinamerika

Von HARALD NEUBER, 30. Mai 2008 (in: Hintergrund.de):
Ort und Zeitpunkt der Tagung waren bewusst gewählt. Wenige Tage vor dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs Lateinamerikas, der Karibik und der Europäischen Union lud die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung am 13. und 14. Mai zu einer internationalen Kuba-Konferenz. „Quo Vadis, Cuba?“, wurde im Titel gefragt – doch der vorgesehene Weg stand fest. Zu der öffentlich vorab nicht beworbenen Veranstaltung in der Brüssler Rue Belliard kamen Vertreter der konservativen Rechten aus der EU mit hochrangigen US-Funktionären zusammen. Gemeinsam beriet man, wie ein Systemwechsel in dem Karibikstaat forciert werden kann. Der Lateinamerika-Referent der Konrad-Adenauer-Stiftung, Hans-Hartwig Blomeier, debattierte unter anderem mit Funktionären der spanischen „Volkspartei“, dem ehemaligen Coca-Cola-Manager und Präsidenten Mexikos, Vicente Fox, und zahlreichen Vertretern rechtsgerichteter kubanischer Exilorganisationen die „Perspektiven für Kuba nach Fidel Castro“. Aus Übersee waren zudem die Vorsitzenden des Verbandes der christdemokratischen Parteien Lateinamerikas, ODCA, angereist, aus Washington kam der „Transitionsbeauftragte“ der US-Regierung für Kuba, Caleb McCarry.
Das Treffen reihte in sich in eine Serie von Veranstaltungen deutscher Parteien und Politikstiftungen vor dem EU-Lateinamerika-Gipfel ein, der am 16. und 17. Mai in Perus Hauptstadt Lima stattfand. Anders als bei dem letzten biregionalen Treffen vor zwei Jahren in Wien standen sich Gegner und Befürworter der neoliberalen Wirtschaftsordnung dabei kompromisslos gegenüber. Für Verstimmung hatte zuvor schon ein Interview der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur gesorgt. Kurz vor Beginn einer einwöchigen Lateinamerika-Reise hatte sie scharfe Kritik an der venezolanischen Staatsführung von Präsident Hugo Chávez geübt. Diese sei „populistisch“, verliere an Zuspruch im eigenen Land und spreche nicht für Lateinamerika. Das Interview folgte nur wenige Tage nach einer Konferenz der Unionsfraktion, der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Deutschen Industrie- und Handelstages, auf der ebenfalls eine klare Position gegen Venezuela bezogen wurde. Merkels Ankündigung, „in unseren gesamten Beziehungen Lateinamerika eine größere Aufmerksamkeit zu widmen“, lässt daher weitere Konflikte erwarten.
Die neue Linie Berlins gegenüber Lateinamerika wird indes nicht nur von den Regierungsparteien SPD und CDU exekutiert, sondern vor allem von den von ihnen finanzierten Stiftungen. Neben der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung ist für die SPD die Friedrich-Ebert-Stiftung aktiv. Die CSU ist mit der Hanns-Seidel-Stiftung in Lateinamerika und der Karibik vertreten und die FDP mit der Friedrich-Naumann-Stiftung. In ihren Selbstdarstellungen geben sie alle die Unterstützung von Demokratie und Rechtsstaat als Grundlage ihres politischen Engagements südlich der USA an. Beim genaueren Hinsehen aber ergibt sich ein anderes Bild.
Gezieltes Vorgehen gegen linke Akteure
Mitte Februar enthüllte der Autor der Berliner „tageszeitung“, Toni Keppler, einen Skandal um die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung. Zu Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes in El Salvador hatte sie den venezolanischen Politberater Alfredo Keller beauftragt, für die in dem mittelamerikanischen Land regierende ultrarechte Republikanisch-nationalistische Allianz (Arena) eine Strategiestudie zu erstellen. Der „Arena“ werden nach zwei Jahrzehnten an der Macht kaum mehr Chancen gegen dem Präsidentschaftsanwärter Mauricio Funes von der linken Oppositionspartei Nationale Befreiungsfront Farabundo Martí (FMLN) eingeräumt. Keller, der schon der linksgerichteten Regierung in seinem Herkunftsland Venezuela einen „rachsüchtigen autoritären Sozialismus“ unterstellt hat, kassierte deutsche Steuergelder, um der Arena-Partei einen simplen Ratschlag zu geben. Sie habe nur eine Chance, wenn sie ihren Herausforderer Funes diffamiere. Laut der 90-seitigen Studie haben 50 Prozent der Befragten ihre Zustimmung für die Arena-Partei erklärt, wenn sie suggestiv gefragt wurden: „Wen würden Sie wählen, wenn Ihnen bewiesen würde, dass der Kandidat der FMLN, Mauricio Funes, das Land kommunistisch umwälzen, das Privateigentum abschaffen, die Kinder sozialistisch indoktrinieren, die Beziehungen zu den USA abbrechen und eine autoritäre Regierung errichten will?“
Obgleich der Eingriff in die Innenpolitik durch die Studie offensichtlich ist, heißt es in einer Stellungnahme der deutschen Bundesregierung, rechtliche Verstöße seien durch das Vorgehen „nicht erkennbar“. Nachzulesen ist das in einer Antwort der großen Koalition auf eine Anfrage der Linkspartei im Bundestag.
Ein solch wohlwollender Umgang wundert nicht. Denn wenn El Salvador bei den Wahlen 2009 an die FMLN fiele, bedeutete das eine enorme Stärkung der Linken in Mittelamerika. Die laufenden Verhandlungen um ein handelspolitisches Assoziierungsabkommen zwischen Mittelamerika und der EU geriete dann ernsthaft in Gefahr.
Angesicht des Erfolges der anti-neoliberalen Regierungen in ganz Lateinamerika setzten CDU und CSU schon jetzt auf eine zweigliedrige Politik. Auf der Lateinamerika-Tagung der Unionsparteien und der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin unterschied deren stellvertretender Vorsitzender Anton Pfeifer Mitte Mai zwischen einen zunehmenden „Populismus“ – dazu zählten Venezuela, Bolivien und Ecuador – und „demokratischen Regierungen“. Mit letzteren suchte Bundeskanzlerin Merkel während ihrer Lateinamerika-Reise in Peru, Kolumbien und Mexiko das Gespräch. Die politischen Regime dieser drei Staaten sind die letzten in der Region, von denen die neoliberale Ordnung noch uneingeschränkt verteidigt wird. Nach Pfeifers Rede in Berlin empfahl die Politikerin der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und EU-Kommissarin für Außenbeziehungen, Benita Ferrero-Waldner, in den links regierten Staaten „lokale leaderships“ aufzubauen, um einen Politikwechsel herbeizuführen.
Dass eine solche Unterstützung der Opposition in den Staaten der neuen Linken auch bei den Sozialdemokraten auf Zustimmung stößt, zeigte sich auf einer SPD-Konferenz vor dem Lima-Gipfel in Berlin. Auf Einladung der parteinahen Friedrich-Ebert-Stiftung  waren mehrere hochrangige Vertreter sozialdemokratisch orientierter Parteien aus Lateinamerika nach Berlin gekommen. Neben den öffentlich vorgestellten Gästen empfing die FES aber auch eine Gruppe lateinamerikanischer Nachwuchspolitiker aus Bolivien, Kolumbien, Peru, Chile und Venezuela zu einer Informationsreise zum Thema „Politische Jugendorganisationen von Parteien: Ihre Rolle und Bedeutung im politischen Prozess“. Während aus Bolivien mit Darío Andrés Zaretti nur ein Vertreter der rechtsoppositionellen „Gemeindestiftung“ eingeladen wurde, gehörten alle beiden Gäste aus Venezuela dem regierungsfeindlichen Lager an. José Gregorio Guerra Velasquez wurde in einer internen Teilnehmerliste der elfköpfigen Delegation als „Gründer des Sozialprojektes der Studentenbewegung“ vorgestellt. Als zweiten Gast lud die Friedrich-Ebert-Stiftung mit Frank Calviño den Jugendsekretär der Oppositionspartei Podemos ein, die im April 2002 an einem Putschversuch gegen die Regierung von Präsident Hugo Chávez beteiligt war. In einem Gespräch mit anwesenden Diplomaten auf der Konferenz verheimlichte Calviño seine Herkunft. Er vertrete keine Partei, sagte der junge Mann.
Rechte Staatsführungen werden unterstützt
CDU und SPD sind sich nicht nur in der Linie gegenüber denjenigen Staaten Lateinamerikas einig, die eine Abkehr vom neoliberalen Modell vollzogen haben. Zu der neuen Lateinamerika-Politik der Berliner Regierung gehört es auch, das Bild der potentiellen Bündnispartner in Europa zu verbessern. Zum Beispiel Kolumbien: Während die Menschenrechtsorganisation amnesty international in ihrem neuen Jahresbericht unter anderem „schwere Menschenrechtsverstöße“ und einen „Anstieg bei Tötungen durch Sicherheitskräfte“ in dem südamerikanischen Land feststellt, kommen die Vertreter der deutschen Parteistiftungen zu einem radikal anderen Ergebnis. Bei einem Arbeitsessen mit deutschen Parlamentariern am 17. Mai bezeichnete der Repräsentant der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kolumbien, Hans R. Blumenthal, die „Gerüchte“ über eine Verstrickung des Staatschefs Alvaro Uribe in die Verbrechen paramilitärischer Gruppierungen als „nicht wahr“. Er tat das zu einem Zeitpunkt, zu dem gegen 70 Abgeordnete des Regierungslagers von der Staatsanwaltschaft wegen Zusammenarbeit mit den rechten Todesschwadronen ermittelt wird. Der langjährige Vertraute und Cousin des Präsidenten, Mario Uribe, wurde nach einem gescheiterten Fluchtversuch vor wenigen Wochen festgenommen und selbst Alvaro Uribe steht im Visier der Justiz.
All das ficht die Vertreter der deutschen Parteistiftungen nicht an. Nach Informationen aus Delegationskreisen bezeichneten die lokalen Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung die jüngsten Initiativen des Präsidenten des Bürgerkriegslandes als „sehr positiv“. Ein Ziel der CDU-nahen Stiftung sei es deswegen, „das Bild Kolumbiens in Deutschland zu verbessern“. Rund vier Millionen Binnenflüchtlinge dürfen dann natürlich nicht erwähnt werden. Mehr Vertriebene hat nach Angaben des Norwegischen Flüchtlingsrates, einem Kooperationspartner der UNO, nur der Sudan zu verzeichnen. Dass dies im offiziellen Berlin nicht thematisiert wird, hat offensichtlich auch mit der wirtschaftspolitischen Kooperationsbereitschaft Bogotás zu tun.
Neben der Linkspartei-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung, die in diesem Jahr erst Büros in Lateinamerika eröffnet hat, gibt es keine parteinahe deutsche Organisation, die den Reformkurs der neuen Linken in Lateinamerika unterstützt oder auch nur neutral begleitet. Auch die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung sorgte Ende März für Debatten in Lateinamerika, weil sie an einer Konferenz rechtsgerichteter Aktivisten im argentinischen Rosario teilnahm. Im Zentrum der Tagung, an der für die Naumann-Stiftung der liberale Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gerhardt teilnahm, standen die Umbrüche in Venezuela und Bolivien. Der argentinische Linkspolitiker Miguel Bonasso bezeichnete das Treffen später als „Mega-Event des ultrarechten liberalen Lagers aus den USA, Europa und Lateinamerika“. Mit dabei war auch das in Washington ansässige Cato-Institut, das unlängst einem venezolanischen Aktivisten in Anerkennung seiner Oppositionsarbeit gegen die Chávez-Regierung eine halbe Million US-Dollar gezahlt hatte.
Selbst das deutsche Goethe-Institut, dessen einzige Aufgabe im Kulturaustausch liegt, ist Teil der politischen Front gegen eine Abkehr vom neoliberalen System in Lateinamerika. Als sich im Februar auf der Internationalen Buchmesse in Havanna kubanische Intellektuelle kritisch zur Kulturpolitik der sozialistischen Regierung äußerten, lud der Leiter des Goethe-Instituts in Havanna, Christoph Bertrams, die Protagonisten der Debatte zu einem privaten Empfang in die deutsche Botschaft ein. Eine ähnliche Schattendiplomatie hatte nach 2003 die Beziehungen zwischen Kuba und EU-Staaten schwer belastet. Damals war von der EU-Führung die Aufnahme von Verbindungen mit Regierungsgegnern zur offiziellen Linie erhoben worden. Bei der nun praktizierten Kontaktpflege geht es Bertrams, der zugleich Kulturattaché der deutschen Botschaft ist, offenbar mehr darum, Einfluss auf die Reformdebatte in dem Karibikstaat zu nehmen.
Weniger diskret geht der Büroleiter des Goethe-Instituts in Caracas, Nicolai Petersen, vor. Als die Linkspartei-Politikerin Sahra Wagenknecht Ende April in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung positiv Bezug auf die Sozialpolitik der venezolanischen Regierung nahm, sandte ihr Petersen eine E-Mail: „Das Regime von Hugo Chávez hat die venezolanische Gesellschaft zutiefst polarisiert und die Dysfunktionalität der öffentlichen Strukturen weiter verstärkt“, bemerkte Petersen, dessen Aufgabe nach der Selbstdarstellung seines Arbeitgebers die Pflege der „internationalen kulturellen Zusammenarbeit“ ist. Dessen ungeachtet nimmt der Kulturbotschafter klar politisch Stellung: „Das Regime kann sich mit Petrodollars gerade noch so über Wasser halten, vermutlich aber nicht mehr lange“, schrieb er Wagenknecht: „Rhetorik und Politik des Präsidenten werden jedenfalls immer erratischer – ein deutliches Zeichen, dass das Ende näher rückt.“ Nicolai Petersen würde das offenbar ebenso wenig bedauern wie seine deutschen Kollegen bei den Parteistiftungen.
http://hintergrund.de/index.php?option=com_content&task=view&id=205&Itemid=63

Ausstellung Che Guevara Das Kultbild einer Generation

Ausstellungszeiten:
Di, Mi, Fr, 14:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Do 14:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Sa, So, Feiertag 11:00 Uhr bis 19:00 Uhr
Mo geschlossen
Ausstellungsdauer bis 31.07.2008
WestLich. Schauplatz für Fotografie
Westbahnstrasse 40
A-1070 Wien

www.westlicht.com

Im Mittelpunkt die meistproduzierte Fotografie aller Zeiten: das Portrait, das der kubanische Fotograf Alberto Korda 1960 mit einer Leica M2 schoss. Es wurde zum Erkennungszeichen der 68er. In der von WestLicht selbst kuratierten Ausstellung sehen sie einen der frühesten Abzüge des Fotos, von dem man wohl sagen darf, dass es neben der Person Guevara selbst zur Legende wurde. Die Ausstellung präsentiert noch nie gezeigte Vintage-Prints kubanischer und internationaler Fotografen wie eben Alberto Korda, Raúl Corrales, Osvaldo Salas, René Burri und anderer – eine Weltpremiere. Die Zeit der Diktatur Fulgenizo Batistas über die Revolution bis zum Tod Ches ist durch 150 Originalaufnahmen, Plakate und Texte dokumentiert. Das Material der Austellung besteht überwiegend aus Leihgaben von Christian Skrein, Alfred eidinger und der Sammlung WestLicht. Sie steht unter dem Ehrenschutz von Norma Goicochea Estenoz, der Botschafterin der Republik Kuba (aus der Einladungskarte zur Eröffnung vom 26. Mai)

die grosse Che Statue von Buenos Aires

Nachdem das Foto im Newsletter 08 nicht rübergekommen ist, gibt´s das Foto hier zu sehen:

Che auf Reisen
Che Statue
ND, 29.05.2008
4 Meter hoch, 3 Tonnen schwer – eine Bronzestatue des Revolutionärs Ernesto Che Guevara auf dem Weg zum Hafen von Buenos Aires (Argentinien), von wo sie in Che´s Geburtsstadt Rosario verschifft wird, um dort rechtzeitig zu den Feiern rund um seinen 80. Geburtstag (14. Juni) einzutreffen. Das Kunstwerk schuf der Bildhauer Andres Zerneri

Ausgewählte Termine

1) 20. bis 22. Juni 2008: Weissenbach/Attersse (OÖ): Festival des politischen Liedes mit Kuba-Tisch (Wer die Aussendungen des KV Willy haben will – ein kurzes Mail genügt: mailto:willy@kv-willy.at)

2) Mittwoch, 25. Juni, 18:00 Uhr: Kuba Stammtisch, Kasperkeller, Linz
3) Mittwoch, 30. Juli, 18:00 Uhr: Kuba Stammtisch, Kasperkeller, Linz
4) Mittwoch, 27. August, 18:00 Uhr: Kuba Stammtisch, Kasperkeller, Linz
5) Sa/So, 30./31. August: Volksstimme Fest in Wien; mit Kuba Stand

Schwierige Prognosen

Kuba bereitet sich auf Hurrikan-Saison vor
Von Leo Burghardt, Havanna, ND 31.05.2008

http://www.neues-deutschland.de

In Kuba ist einen knappen Monat vor Beginn der Hurrikan-Saison das Anti-Katastrophenmanöver »Meteoro« angelaufen. Mit dem Tropensturm »Alma«, der einen Fischer das Leben kostete, zog in den vergangenen Tagen bereits ein erster Vorbote über Nicaragua hinweg.

Abertausende Frauen und Männer der kubanischen Streitkräfte, der Zivilverteidigung, des Innenministeriums und der Komitees zur Verteidigung der Revolution sind wie schon in den Vorjahren mitunter Tag und Nacht auf den Beinen, um nicht unvorbereitet einem Ernstfall ausgesetzt zu sein. Minutiös und bis ins kleinste Detail werden die potenziellen Hilfskräfte trainiert.

Wohin mit den Menschen, die evakuiert werden müssen, wenn ein trockener oder ein von sintflutartigen Niederschlägen begleiteter Hurrikan herantobt oder wenn die Erde bebt? Das sind nicht selten Hunderttausende. Wie weit müssen die Bewohner der Küstenregionen ins sichere Landesinnere transportiert werden, wenn ein kleiner Tsunami droht? Wohin mit den Viehherden bei Hochwasser? Die Funktionstüchtigkeit des medizinischen Dienstes wird geprüft. Hubschrauber, Piloten und Pioniereinheiten kennen jetzt schon ihre Zielgebiete.

Integraler als je zuvor wird »Meteoro 2008« ins Werk gesetzt, sagte General Pardo, Chef der kubanischen Zivilverteidigung, gemäß der Erfahrung Fidel Castros, man solle immer auf die schlimmste aller Varianten vorbereitet sein. Dieser Leitspruch hat im Laufe der Jahre hunderten Kubanern das Leben gerettet und der Regierung dutzende lobende Erwähnungen der UNO und meteorologischer Spezialorganisationen eingetragen.

Die Klimaforscher der Region, nicht nur die kubanischen, gehen mit ihren Prognosen in letzter Zeit behutsam um. Es ist viel schwieriger geworden, das Wetter vorauszusagen. Der kubanische Mai beispielsweise war immer der regenreichste Monat. In diesem Jahr hatte es bis zum 27. im ganzen Westen nur einige Male getröpfelt.

Aber in einem Punkt sind sich die Experten fast einig: Es werde weniger Hurrikans geben, dafür aber ausschließlich solche, die sich gewaschen haben. Doch gleich schieben sie das überraschende Ergebnis von jetzt abgeschlossenen 25-jährigen Studien nach: Bisher sei man mit Sicherheit davon ausgegangen, dass der »Treibstoff«, der die Hurrikans rotieren lässt, die überdurchschnittliche Erwärmung der Atlantikoberfläche wäre. Das könne man jetzt vergessen. In den vergangenen 25 Jahren habe kein Hurrikan seinen Ursprung im Klimawandel gehabt.

Die kubanischen Meteorologen und Klimaforscher brüten schon seit einer Weile über der Prognose für die kommende Hurrikansaison, die im Juni beginnt und im November zu Ende geht. Normalerweise dürfte sie nicht allzu gefährlich werden, denn immer, wenn das Naturphänomen »Niña« (die Schwester von El Niño) einige südamerikanische Pazifikstaaten mit Sturzbächen von Niederschlägen zuschüttet, bleibt es in der Karibik relativ ruhig. Doch was bedeutet heute schon »normalerweise«? In Kuba herrscht August-Wetter, mit bis zu 35 Grad im Schatten.